Großeinsatz

36-Jähriger hält Polizei und Feuerwehr in Bötzingen drei Stunden lang in Atem

Manfred Frietsch

Von Manfred Frietsch

Mo, 17. Februar 2020 um 17:10 Uhr

Bötzingen

Ein Mann kehrt nach seinem Hafturlaub nicht ins Gefängnis zurück und versucht, sich in Bötzingen der Festnahme zu entziehen – indem er aufs Hausdach flieht.

Mehr als drei Stunden lang hielt am Sonntagabend ein 36-jähriger Mann die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr in Atem. Der zur Festnahme ausgeschriebene Mann flüchtete in Bötzingen gegen 19.30 Uhr aus seiner Wohnung in einem fünfstöckigen Haus auf das Dach. Erst nach gut drei Stunden, in denen er zeitweise gedroht hatte, vom Dach zu springen, gab er auf und ließ sich festnehmen.

Während des Einsatzes in dem Gebäude an der Gottenheimer Straße, in dessen Erdgeschoss die Bötzinger Postfiliale untergebracht ist, wurde die Straße zwischen der Ampelkreuzung am Gasthaus Krone und der Kreuzung am Bahnhof für den Verkehr gesperrt. Der Leiter des Breisacher Polizeireviers Thoma Hagnberger begründete dies auch damit, dass man Schaulustige auf Distanz halten wollte.

Flucht durch das Toilettenfenster

Der Mann war von der Polizei gesucht worden, da er nach einem Hafturlaub über die Weihnachtszeit nicht ins Freiburger Gefängnis zurückgekehrt war, wo er noch seine Reststrafe absitzen sollte. Am frühen Sonntagabend hielt er sich in seiner ursprünglichen Wohnung im Dachgeschoss auf. Da er sie beim Eintreffen der Polizei nicht öffnete, verschaffte sich diese mit Hilfe eines Schlüsseldiensts und einem richterlichen Durchsuchungsbefehl Zutritt, worauf der Mann durch das Toilettenfenster auf das steile Dach flüchtete. Daraufhin wurde auch die Bötzinger Feuerwehr alarmiert, um die Straße abzusperren und die Einsatzstelle auszuleuchten, wozu auch die Drehleiter ausgefahren wurde. Auch Bürgermeister Dieter Schneckenburger kam zur Einsatzstelle.

Unterdessen stieg ein Polizeibeamter auf das Dach, um den Mann, der mehrfach über das Dach kletterte, zum Aufgeben zu bewegen. Auch Angehörige versuchten, ihn davon zu überzeugen. Da eine Stromleitung über das Dach führte, wurde vorsorglich gegen 20.45 Uhr der Strom abgestellt, wovon auch mehrere benachbarte Häuser betroffen waren.

Feuerwehr mit 38 Kräften und fünf Fahrzeugen vor Ort

Der Mann, bei dessen Klettertour sich einige Ziegel gelöst hatten und herunter fielen, forderte schließlich, die Polizei solle sich zurückziehen, sonst würde er springen und sich das Leben nehmen. Die Bötzinger Feuerwehr, die unter Kommandant Horst Höfflin mit 38 Kräften und fünf Fahrzeugen vor Ort war, baute vorsorglich ein Sprungkissen auf. Rettungssanitäter der Malteser und eine Notärztin waren ebenfalls vor Ort. Von einem Balkon aus konnte weiter Kontakt zu dem Mann gehalten werden. Schließlich, auch auf Zureden seiner Partnerin, gab er gegen 22.45 auf, stieg auf den Balkon und ließ sich in der Wohnung widerstandslos festnehmen. Spezialeinsatzkräfte der Polizei, die kurz zuvor eingetroffen waren, mussten nicht mehr eingreifen.

Thomas Hagnberger, der zuvor beim Merdinger Fasnachtsumzug im Einsatz war und gegen 21.30 Uhr in Bötzingen eintraf, war voll des Lobes über die besonnene Arbeit seiner Einsatzkräfte und der Feuerwehr. Sein Dank ging aber auch nach Merdingen. Von dem dort für Feuerwehr, Polizei und Sanitäter von der Zwulcher Narrenzunft bereitgestellten Essen und Getränken war noch einiges übrig. Dies wurde kurzerhand von der Merdinger Feuerwehr nach Bötzingen gefahren, um es den dortigen Einsatzkräften zur Verfügung zu stellen.