Quarantäne

5 Brettspiele ab 2 Spielern, die lange Coronanachmittage verkürzen

Thomas Magenheim-Hörmann

Von Thomas Magenheim-Hörmann

Mo, 30. März 2020 um 15:52 Uhr

Panorama

Sich den Weg durch den Dschungel schlagen oder spielerisch eine Patchworkdecke nähen: Diese Spiele ab zwei Personen bieten wenig Regeln und viel Spaß. Sehr gefragt derzeit: das Brettspiel "Pandemie".

Nähen mit Grips

Bei "Patchwork" von Erfolgsautor Uwe Rosenberg verrät schon der Name, um was es geht. Mittels Stoffflicken und Knöpfen aus Pappe puzzelt bei diesem Duell für zwei Spieler ab acht Jahren jeder auf seiner eigenen Ablage eine Patchworkdecke. Selten wurde ein Thema so stimmig in Szene gesetzt. Bei kaum einer halben Stunde Spielzeit ist das zudem kurzweilig. Wer am Ende mehr Knöpfe sein Eigen nennt, gewinnt.

Genial ist, dass das Aufnehmen von Flicken nicht nur Siegpunkte in Form von Knöpfen kostet, sondern auch Zeit: Auf jeden Flicken ist ein Preisschild in doppelter Währung aufgedruckt – Knöpfe und Zeitfelder. Letztere schreitet man auf einer Zeitspirale voran. Am Zug ist immer der dort hinten liegende Spieler. Das führt dazu, dass mehrmals hintereinander am Zug sein kann, wer Flicken nimmt, die wenig Zeit kosten. Nähen mal ohne Nadel und Faden, dafür mit Grips und Freude.
  • Patchwork, Lookout, etwa 20 Euro

Edelsteinminen kaufen

Spannend soll ein Gesellschaftsspiel sein, ohne zu überfordern, keine Grübelei provozieren und optisch etwas bieten. Diesem Ideal recht nahe kommt "Splendor" für bis zu vier Spieler ab zehn Jahren von Andre Marc. Die Pracht, auf die der Titel anspielt, kommt durch Edelsteine in Form solider Plastikchips ins Spiel. Ohne Glücksfaktor ist das nicht, aber am Ende entscheidet meistens Überlegung.

Ein Zug ist dabei denkbar einfach – Edelsteinchips nehmen oder eine Edelsteinmine in Form schön illustrierter Karten mit Chips kaufen. Erworbene Minenkarten verbilligen spätere Käufe und bringen oft Siegpunkte. Die richtige Kombination von Minen zieht Adelige an, die ebenfalls Siegpunkte bringen. Das geht so lange, bis ein Spieler 15 Punkte erreicht hat. Spätestens nach der ersten Partie weiß jeder, was er falsch gemacht hat. Dauert in voller Besetzung 45 Minuten.
  • Splendor, Space Cowboys, etwa 30 Euro

Auf dem Weg zum Tempel

Eigentlich völlig unabhängig von der Spielerzahl ist "Karuba" vom bekannten Spieleautor Rüdiger Dorn. Das schöne Material des familientauglichen Legespiels reicht für maximal vier Personen ab acht Jahren. Es entführt thematisch in den Dschungel und dortige Tempelstätten.
Ziel einer etwa 40-minütigen Partie ist es, mit Plättchen verschiedene Wege durch das eigene Dschungel-Tableau zu legen. Alternativ verwendet man die Plättchen, um die eigenen Forscher über schon gelegte Wege Richtung Tempel zu ziehen.

Sehr angenehm ist, dass alle gleichzeitig spielen. Einer der bis zu vier Kontrahenten deckt zufällig ein Wegeplättchen auf, von denen jeder einen identischen Satz hat. Das baut dann jeder individuell in sein Wegenetz ein oder zieht einen Forscher. Eine gewisse Bingo-Atmosphäre ist spürbar. Wer ist mit welchem Forscher zuerst am Zieltempel? Karuba ist ein schnell süchtig machendes Tüftelspiel, bei dem man sich in Sackgassen manövrieren kann.
  • Karuba, Haba, etwa 25 Euro

Magnetfußball

Vor allem Fußballfans könnten sich wegen derzeit abgesagter Spiele aller Ligen für "Klask" von Mikkel Bertelsen begeistern: eine Art Tischfußball für zwei Personen. Spielerisch vereint es Elemente von Billard und Eishockey. Die Tore sind zwei Mulden im 45 auf 35 Zentimeter großen und von einer Bande gesäumten Spielfeld. Duellanten schießen mit je einer Figur, die mit der Hand unter dem erhöhten Spielbrett per Magnet gesteuert wird.

Zudem sind auf dem Spielfeld drei kleine Magnete verteilt, denen man besser nicht zu nahe kommt. Kleben zwei davon an der eigenen Magnetfigur, zählt das als Tor für den Gegner. In der Hektik des Geschicklichkeitsspiels passiert aber genau das öfter. Immens ist der Aufforderungscharakter von Klask. Bei wenigen Minuten Spieldauer bleibt es selten bei einer Partie.
  • Klask, Game Factory, rund 45 Euro für zwei Spieler, in einer Variante für vier Personen deutlich mehr

Seuchen in Städten

Sehr gefragt ist derzeit das kooperative Brettspiel "Pandemie" von Matt Leacock für zwei bis vier Personen ab etwa zwölf Jahren. Im Wohnzimmer versucht man die Welt vor vier Seuchen zu retten, die parallel zuschlagen. Das klappt nicht immer. Mal gewinnen die Spieler, mal das Spiel.

Das ist bei mancher Partie auch eine Frage des Glücks. Rasch verstehen sollte man aber die Verbreitungsmechanik von Seuchen, die in Form kleiner Holzwürfel auftreten. Das Spielfeld ist eine Weltkarte, in den Städten toben die Seuchen. Mitspieler schlüpfen in die Rolle eines Sanitäters oder einer Forscherin, was Sonderfähigkeiten mit sich bringt. "Pandemie" ist komplex und kann bei voller Besetzung in ersten Partien bis zu zwei Stunden dauern. Gegenmittel für alle Seuchen zu finden als gemeinsames Ziel des Spiels ist aber auch eine epische, extrem spannende und erschreckend aktuelle Aufgabe. Es wird viel diskutiert und tunlichst gemeinsam entschieden.
  • Pandemie, Pegasus, etwa 35 Euro