Unterschriftenaktion

65 Friesenheimer wollen den 7-Uhr-Zug wieder haben

Bastian Bernhardt

Von Bastian Bernhardt

Di, 07. Juli 2020 um 19:30 Uhr

Friesenheim

Bahnpendler von Friesenheim nach Offenburg klagen im Gemeinderat über den entfallenen Halt um 7.11 Uhr und übergeben Unterschriften. Auch Bürgermeister Erik Weide ist nicht zufrieden.

Seit gut drei Wochen fahren die Züge auf der Rheintalbahn nun schon nach einem neuen Fahrplan (die BZ berichtete). Einzelne Halte an kleineren Bahnhöfen fehlen darin und sollten wohl auch langfristig nicht mehr zurückkommen, wie jetzt deutlich wird. So auch der Halt um kurz nach 7 Uhr von Friesenheim nach Offenburg. Das bringt Pendler auf die Palme. Sie haben eine Unterschriftenliste mit 65 Unterschriften an den Bürgermeister übergeben. Ihre Forderung: Der 7-Uhr-Zug soll wieder her. Sie wollen weiter Unterschriften sammeln.

Harald Wendle aus Friesenheim hat die 65 Unterschriften im Rahmen der Gemeinderatssitzung am Montag an Bürgermeister Erik Weide übergeben. Er habe sie binnen zwei Stunden am Bahnhof in Friesenheim gesammelt, erklärte er der BZ auf Nachfrage. Im Kern beklagt Wendle das Wegfallen des Zugs um 7.11 Uhr von Friesenheim nach Offenburg seit dem jüngsten Fahrplanwechsel am 14. Juni. Neuerdings hält nur um 6.36 Uhr und um 7.46 Uhr ein Nahverkehrszug in Friesenheim. "Die 65 Unterschriften stehen für 65 Pendler, die diese entfallene Verbindung als Zumutung empfinden", so Wendle im Gemeinderat.

Kritik an der Kommunikation des Verkehrsministeriums

Bürgermeister Erik Weide erklärte, manche Zughalte seien offenbar langfristig vom Land nicht mehr bestellt worden – darunter auch jener um kurz nach 7 Uhr am Morgen in Friesenheim. Der Halt ist tatsächlich im endgültigen neuen Fahrplan nicht mehr enthalten. Der Bürgermeister bezeichnete die Kommunikation um den Fahrplanwechsel seitens des Verkehrsministeriums als "Katastrophe".

Am Montag hat Amtschef Uwe Lahl beim Landes-Verkehrsministerium mit Bürgermeistern der Region gesprochen. An dem Gespräch hatte auch Friesenheims Bürgermeister Erik Weide teilgenommen, wie er im Gemeinderat erklärte. Auch das Problem einzelner entfallener Zughalte zur Hauptverkehrszeit kam darin zur Sprache. Der Pressemitteilung aus dem Verkehrsministerium zufolge wollen DB Netz und die Nahverkehrsgesellschaft (NVBW) nun für diese Verbindungen Fahrplananpassungen im Zuge des kommenden Fahrplanwechsels prüfen. "Hierfür wurde ein Folgegespräch mit den Kommunen vereinbart."

Harald Wendle will weiter aktiv bleiben

Harald Wendle will nicht erst auf neue Züge oder einen nächsten Fahrplanwechsel warten, wie er im Gespräch mit der BZ bekräftigte: "Wir werden weiterhin Unterschriften sammeln und Pendler ermutigen, aktiv zu bleiben und ihre berechtigten Anliegen an geeigneter Stelle vorzutragen." Es könne nicht sein, dass ein neuer Fahrplan unterm Strich Nachteile bringe. "Wir verlangen nichts Unmögliches", so Wendle.
Info

Die Aufregung unter Pendlern auf der Rheintalbahn war groß, als zum 14. Juni ein neuer Fahrplan in Kraft trat. Manche Halte waren entfallen. Zunächst hieß es, die neuen Lücken im Plan seien nicht vermeidbar. Dann hieß es, die Lücken seien nur vorübergehend, bis schnellere Züge ausgeliefert seien. Siemens sei mit der Lieferung und Abnahme der Züge ins Hintertreffen geraten. Ab Herbst seien die Fahrplanlücken wieder geschlossen. Inzwischen ist klar: Mancher Halt fehlt auch im endgültigen Fahrplan. Spielräume könnte es erst wieder nach dem Ausbau der Rheintalbahn in vielen Jahren geben – wenn Planer und Politik nun nicht doch noch auf die Pendlerkritik zu reagieren versuchen.