Coronakrise

Abschluss ohne Prüfungen? Erstes Bundesland will Abitur absagen

dpa

Von dpa

Di, 24. März 2020 um 15:51 Uhr

Deutschland

Die Debatte wird auch in Baden-Württemberg geführt: Wie sollen Schulen in der Coronakrise mit den anstehenden Prüfungen umgehen? Nun prescht Schleswig-Holstein vor – und plant die Abi-Streichung.

Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) plant wegen der Corona-Pandemie eine Absage aller Schulabschluss-Prüfungen einschließlich jener für das Abitur. "In der derzeitigen Situation und der besonderen Herausforderung nicht nur für unser Schulsystem, sondern auch jeden Einzelnen von uns, halte ich diese Entscheidung für geboten", sagte Prien am Dienstag. Sie werde dem Kabinett für die Beratungen am Mittwoch einen entsprechenden Beschlussvorschlag vorlegen.

"Wir haben in diesem Jahr durch die Ausbreitung des Coronavirus und unsere Maßnahmen dagegen eine außergewöhnliche Situation", sagte die Kultusministerin Schleswig-Holsteins, Karin Prien, zu ihren Plänen die Prüfungen abzusagen. Mitte März wurde der Unterricht an den Schulen im Land eingestellt. Wann und wie der Unterricht wieder aufgenommen werden könne, sei noch nicht absehbar. "Seit zwei Wochen beraten wir uns, wie wir in diesem Jahr faire und gerechte Abschlussprüfungen unter den gegebenen Umständen ermöglichen können." Die Abiturprüfungen müssten direkt nach den Osterferien beginnen. "Dies erscheint derzeit unrealistisch."

SPD gegen Ausfall der Prüfungen

Die Schüler im Norden sollen nach Priens Plänen zum Ende des Schuljahres stattdessen Abschlusszeugnisse auf Basis bisheriger Noten erhalten. "Ich werde daher in der Kultusministerkonferenz vorschlagen, dass wir keine Abiturprüfungen mehr abnehmen, sondern das Abitur und seine Note anhand der bisher erbrachten Leistungen bewerten", sagte Prien.

Die oppositionelle SPD hat sich bereits gegen einen Ausfall der Prüfungen im nördlichsten Bundesland ausgesprochen. "Auch wenn es im Mai keinen Eurovision Song Contest gibt, muss die Punktevergabe an den Schulen möglich sein", sagte der SPD-Bildungspolitiker Kai Vogel am Dienstag.

Zwei Hamburger Schüler hatten angesichts der Pandemie bereits eine Petition zur bundesweiten Absage der Abitur-Prüfungen gestartet. Die beim Internetportal "change.org" veröffentlichte Petition haben bis Dienstagnachmittag rund 76.000 Unterstützer unterzeichnet.

Prüfungen im Südwesten sollen nicht vor Mitte Mai beginnen

Baden-Württemberg hatte am Freitag die Verschiebung der zentralen schulischen Abschlussprüfungen bekannt gebeben. Sie sollen nicht vor dem 18. Mai beginnen. Über weiter reichende Schritte wird aber auch im Südwesten bereits diskutiert. Man bereite sich auf unterschiedliche Szenarien vor, um auf alle Situationen angemessen reagieren zu können, teilte eine Sprecherin von Kultusministerin Susanne Eisenmann am Dienstag mit.



Auch Bayern bleibt zunächst bei einer geplanten Verschiebung. "Unser Ziel ist es, die Abiturprüfungen nach dem neuen Fahrplan ab dem 20. Mai durchzuführen", betonte Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) am Dienstag in München. "Für den Fall, dass dies aufgrund aktuell noch nicht absehbarer kurzfristiger Entwicklungen nicht möglich sein sollte, gibt es verschiedene alternative Lösungen." Diese müsse man sehr sorgfältig prüfen. "Schnellschüsse helfen da nicht weiter", betonte Piazolo.