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Alexej Nawalny, sind Sie in Freiburg?

Gina Kutkat & Konstantin Görlich

Von Gina Kutkat & Konstantin Görlich

Mi, 13. Januar 2021 um 15:30 Uhr

Small Talk (fudder)

Das ist doch Freiburg im Hintergrund des Instagram-Videos, das Alexej Nawalny am Mittwochmorgen auf der Plattform Instagram postet? Ein kleiner fudder-Faktencheck – inklusive Beweisen.

"Kremlgegner Nawalny kehrt am Sonntag nach Moskau zurück" – das sind die aktuellsten News über den russischen Oppositionellen Alexej Nawalny, der sich seit seiner Vergiftung in Deutschland aufhält. Genauer gesagt: im Schwarzwald. Noch genauer: in der Gemeinde Ibach. Bereits im Sommer wurde bekannt, dass sich Nawalny in dem Dorf im Kreis Waldshut ausruht. Nicht unwahrscheinlich, dass er seine Rückkehr über Freiburg antritt. Ein Instagram-Post lässt diese Vermutung Wirklichkeit werden: Alexej Nawalny war oder ist in Freiburg. добро пожаловать, herzlich willkommen!



"Es ist Zeit, nach Hause zu kommen", schreibt er unter sein Instagram-Video vom 13. Januar. Und er blickt in einem längeren Text auf die letzten fünf Monate zurück, die mit einem Anschlag am 20. August begannen. Da war Nawalny während eines Inlandsfluges in Russland zusammengebrochen. Nach einer Notlandung wurde er in die Berliner Charité verlegt, lag dort wochenlang im Koma, bevor er in den idyllischen Schwarzwald kam.

Und der tat ihm gut: "Heute Morgen habe ich Liegestütze und Kniebeugen gemacht", schreibt Nawalny am Mittwoch auf Instagram. "Dann wurde mir klar, dass der Moment gekommen war, auf den ich gewartet hatte - vielleicht bin ich fast gesund und kann endlich nach Hause zurückkehren."

Wo steht er denn da?

1 Minute und 36 Sekunden dauert sein Video, für seine Ortung brauchen wir etwa drei Mal so lange. Der geübte Blick sagt zwar schnell: Das ist Freiburg. Der Grübler fragt: Aber wo genau? Ein Anruf beim Kollegen, der ausgewiesener Stadtkenner ist – und für sein Adlerauge bekannt. "Schlossberg", sagt er ohne Umschweife. Und wo da?

Wir recherchieren mit Google Earth Pro, gehen die einzelnen Gebäude durch, die im Hintergrund von Alexej Nawalny zu erkennen sind: Rechts hinten das Chemiehochhaus, links der Bahnhofsturm und die Kirche vom Stühlinger Kirchplatz. Etwas weiter vorne ist der Stadtgarten zu erkennen und dahinter ganz links der Karlsbau mit seiner blauen Fassade.

Das rote Gebäude am rechten Bildrand bringt die Lösung: Farbe, Terrasse, Dachgaube. Es handelt sich um das Leibniz-Institut für Sonnenphysik. Das steht an der Schöneckstraße in Freiburg-Neuburg.



Im Hintergrund läuft das Video von Nawalny weiter. Der spricht derweil davon, dass die Frage "zurückkehren oder nicht" für ihn nie zur Debatte stand. Er sei nur aus einem Grund in Deutschland geblieben: "Sie haben versucht, mich umzubringen."

Das bestätigen auch internationale Ermittlungen: Verantwortlich für den Angriff auf Nawalny soll der russische Inlandsgeheimdienst FSB gewesen sein. Die Indizienlast ist erdrückend. Nawalny selbst ist sogar davon überzeugt, dass Präsident Wladimir Putin den Mordanschlag persönlich befohlen hat. "Putin hat den Befehl für meinen Mord gegeben." Auch darauf gibt es deutliche Hinweise.

Kremlgegner Nawalny, der am Freiburger Schlossberg steht, und eine Nachricht an Putin schickt. Und eine Liebeserklärung an sein Land mitliefert: "Russland ist mein Land, Moskau ist meine Stadt, ich vermisse sie. Am Sonntag, 17. Januar, werde ich mit einem Pobeda-Flug nach Hause zurückkehren." Und das, obwohl die russische Justiz zuletzt beantragt hat, ihn wegen angeblicher Missachtung seiner Bewährungsstrafe inhaftieren zu wollen.

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