Verlorene Schlacht

Am Invalidendom in Paris herrscht eine Kaninchenplage

Knut Krohn

Von Knut Krohn

So, 19. September 2021 um 12:02 Uhr

Panorama

Die süßen Tiere lösen nicht bei allen Menschen Freudenstürme aus. Die Verantwortlichen in der französischen Hauptstadt sehen die Eindringlinge als Plage und möchten sie am liebsten loswerden.

Die junge Touristin ist plötzlich völlig aus dem Häuschen. "So süüüüüß", jauchzt sie, fummelt ihr Handy aus dem Rucksack, doch das Kaninchen ist flinker und so schnell verschwunden, wie es aufgetaucht ist. Es vergehen jedoch nur einige wenige Augenblicke, dann hoppelt eine ganze Familie über den gepflegten Rasen im Schatten des Pariser Invalidendoms.

Die Nager vermehren sich in Windeseile

Die Kaninchen lösen allerdings nicht bei allen Menschen solche Freudenstürme aus. Die Verantwortlichen der imposanten Anlage im Herzen der französischen Hauptstadt sehen die Eindringlinge als Plage und möchten sie am liebsten loswerden. Aus diesem Grund führen die dort logierenden Generäle einen nicht enden wollenden Kampf gegen die "Schädlinge", der jedes Jahr für viele Dutzend der Tiere tödlich endet. Die Nager wehren sich aber, indem sie sich in Windeseile vermehren.

Doch nun hat ein Gericht in Paris dem Töten vorläufig ein Ende gesetzt. Diesen Sieg kann sich Amandine Sanvisens auf ihre Fahne schreiben, Tierschützerin und Mitbegründerin der Organisation Paris Zoopolis: "Wir bitten die Soldaten, friedlich mit den Kaninchen zusammenzuleben", sagt sie. Unterstützung erhält sie von der Stadtverwaltung.

Christophe Najdovski, stellvertretender Bürgermeister und zuständig für das Tierwohl in Paris, betont, dass die Tiere nun wirklich nicht gejagt werden müssten. Vor Gericht wiesen die Anwälte des für die Kaninchenjagd verantwortlichen Polizeipräfekten aber darauf hin, dass die Tiere die gepflegten Rasenflächen praktisch umpflügten und die Rohre des Bewässerungssystems beschädigten. Der Militärkommandant des Invalidendoms beziffert den jährlichen Schaden auf bis zu 15 000 Euro. Betont wurde auch, dass die Kaninchen nicht brutal niedergemetzelt würden, sondern mit Hilfe von Frettchen gefangen und dann eingeschläfert würden.

Tierschützerin Amandine Sanvisens hält all diese Aussagen für ziemlichen Unsinn. Sie ist überzeugt, dass das vorläufige Jagdverbot bald dauerhaft gelten wird.