1844 Freiburg Sacristans sind in Südbaden ohne Konkurrenz

Lucas Roth

Von Lucas Roth

Mi, 24. Juni 2015

American Football

In Südbaden konkurrenzlos: Die American Footballer der 1844 Freiburg Sacristans hängen sich rein in der Regionalliga.

AMERICAN FOOTBALL. Es ist zweifellos das amerikanische TV-Ereignis des Jahres. Der Super Bowl, das Finalspiel der National Football League (NFL) in den USA, lockt weltweit Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Ein Ende des Booms scheint nicht in Sicht: Denn von Jahr zu Jahr bricht das Superspektakel, das sich auch in Europa großer Begeisterung erfreut, den selbst aufgestellten Quotenrekord in Nordamerika. Von der steigenden Popularität oder vielmehr dem Hype, den die Sportart aus Übersee auslöst, profitiert man auch in Freiburg.

Dort, an der Schwarzwaldstraße, unweit der Dreisam mit Panoramablick auf pittoreske grüne Hügel samt Windrädern, haben sich in den vergangenen Jahren die Sacristans von 1844 zum Branchenführer mit Monopolstatus in der südbadischen American-Football-Szene gemausert. "Wir haben einen kontinuierlichen Zuwachs. Die Mitgliederzahlen steigen stetig", ordnet Jochen Kern, Headcoach der 1844-Jugend, die Entwicklung der Sacristans ein. Kern bezeichnet die eigene Abteilung im Sportpark von 1844 als "American-Football-Insel im Süden".

Denn hochklassige Alternativen zu den Sacristans, die in der Regionalliga, der dritthöchsten deutschen Spielklasse vertreten sind, gibt es im südbadischen Raum nicht. Woran das liegt? Es sei sehr mühsam, ein American-Football-Team aus dem Boden zu stampfen, macht Volkmar Walter, Headcoach des Drittligisten, als Grund für die geringe Anzahl an Mannschaften in Südbaden aus. Denn American Football ist in Deutschland – Super-Bowl-Einschaltquote hin oder her – nach wie vor eine Randsportart. So zählte der Dachverband, der American Football Verband Deutschland (AFVD), im Jahr 2013 "nur" rund 50 000 Mitglieder.

Im Vergleich dazu scheint der größte deutsche Sportverband, der Deutsche Fußball-Bund (DFB), mit knapp sieben Millionen Mitgliedern fast schon gigantisch.

Auch die notwendige Personaldichte in diesem Sport spielt für Headcoach Walter eine herausfordernde Rolle beim Aufbau eines Teams. Denn aufgrund der getrennt agierenden Offensive und Defensive mit jeweils elf Spielern sollte ein kompletter American-Football-Kader mindestens 40 Akteure umfassen.

Der Aufwand, die Rekrutierung und die Organisation sind immens. Der Fokus der Freiburger liegt daher auf der Jugendarbeit, die als Fundament für die Regionalliga-Mannschaft dient. "Wir profitieren von unserem Nachwuchs sogar so sehr, dass wir es uns erlauben können, eine Runde ohne Einkäufe zu spielen", sagt Walter mit Blick auf den aktuellen Kader. Dass es ohne Imports, wie es im Fachjargon heißt, eine harte Saison werden würde, war klar. "Wir sind aber konkurrenzfähig. Die Jugendarbeit zahlt sich aus", bilanziert Walter zufrieden.

Denn mit dem richtungsweisenden 28:18-Erfolg gegen die Trier Stampers am vergangenen Sonntag ist den Sacristans eine Art Befreiungsschlag gelungen. Durch den Heimerfolg schiebt sich das 1844-Ensemble auf den vierten Tabellenplatz.

Damit haben sich Freiburger im engmaschig gestrickten Klassement vorerst ein Polster nach unten verschafft. Denn bis auf die Ravensburg Razorbacks und die Gießen Golden Dragons, die das Ligageschehen nahezu unangefochten dominieren, kämpfen die restlichen sieben Mannschaften verbissen um den Klassenerhalt. Bei drei Absteigern hat der Ligaverbleib daher auch bei den Sacristans höchste Priorität.

Jugendarbeit
ermöglicht Saison

ohne Importkräfte

Doch neben dem Kampf gegen den Abstieg gehe es laut Walter ebenso darum, die Rookies, also die Neulinge, in die Drittliga-Mannschaft zu integrieren und die Breite des Kaders weiter auszubauen. "Dadurch schaffen wir uns die Basis", blickt der 45-Jährige der Zukunft zuversichtlich entgegen. Dass die Freiburger aufgrund der fehlenden Konkurrenz in der näheren Umgebung zweifelsfrei ein gewisses Alleinstellungsmerkmal im American Football besitzen, dürfte dabei keineswegs unerheblich sein.

Denn in Südbaden gibt es neben den Sacristans lediglich zwei Vereine, die sich dem aufwendigen Projekt American Football angenommen haben: Die Lahr Miners und die Neckar Hammers aus Villingen-Schwenningen, die allerdings beide in deutlich tieferen Ligen spielen.

Wer in Südbaden also hochklassig diesen Sport betreiben will, der findet fast zwangsläufig den Weg nach Freiburg. Mal sehen, was hier in den kommenden Jahren noch möglich ist.

Die Sacristans sind auf Facebook und Twitter aktiv. Kontakt über die Homepage https://www.ft1844-freiburg.de/ americanfootball/start