Eishockey

Analyse: Die Freiburger Wölfe spielen trotz Niederlagen und Verletzungen eine starke Saison

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

Mo, 25. Januar 2021 um 15:46 Uhr

EHC Freiburg

Trotz Verletzungen, Corona-Pandemie und zuletzt drei Niederlagen in Folge: Der EHC Freiburg spielt eine starke Saison in der DEL-2. Wie machen die Eishockey-Cracks das?

Am späten Dienstagnachmittag ist Simon Danners Arbeitstag bereits beendet. Für den 34-jährigen Familienvater und Kapitän des DEL-2-Teams EHC Freiburg ist nun Entspannen angesagt. Regeneration für den geschundenen, langjährigen Erstligakörper. Für den Flügelspieler und seine Mannschaft waren es harte Wochen. Der durch die Pandemie durcheinander gewirbelte Spielplan hat es nicht gut mit den Freiburgern gemeint.

"Wir spielen eine ziemlich gute Runde." Kapitän Simon Danner
Seit Mitte Dezember spielten sie im Zwei-Tage-Rhythmus. Erst seit letzter Woche haben die Kufen-Cracks wieder mehr Regenerationsmöglichkeiten zur Verfügung. Zeit, einmal zurückzublicken: "Wir spielen eine ziemlich gute Runde", findet der Kapitän. Ob das zu erwarten war? "Jein", findet Danner, "auf der einen Seite hatten wir nur wenige Veränderungen im Sommer, sind als Team zusammengeblieben, auf der anderen Seite hatten wir aber auch viele Verletzungen."

Wie im Vorjahr in der Spitzengruppe etabliert

Es stimmt: Die Freiburger Eishockey-Spieler haben den Widrigkeiten beeindruckend getrotzt. Christoph Kiefersauer, Scott Allen, Jake Ustorf, Alexander Brückmann Ben Meisner, Nick Pageau und Kapitän Danner – alle fielen sie diese Saison schon verletzt aus. Und trotzdem kann der EHC auf einen Höhenflug zurückblicken: Wie schon im Vorjahr hat sich der Club in der Spitzengruppe etabliert. Aus dem Abstiegskandidaten von 2019 ist ein Topteam geworden. Die Konkurrenz sieht in den Wölfen bereits Titelfavoriten.

"Wir sind für jeden Gegner eklig." Kapitän Simon Danner
Danner hingegen betont: "Für uns zählen die Playoffs." Mehr lässt er sich kaum entlocken, außer: "Wenn wir nicht zu viel Verletzungspech haben, traue ich uns zu, mit Heimrecht zu starten." Was aber macht die Wölfe 2021 so stark? Das Prunkstück bleibt die Verteidigung. Defensiv zählen die Wölfe wie schon im Vorjahr zu den besten Teams der Liga. "Wir sind für jeden Gegner eklig", freut sich Danner, "und wenn wir hinten gut verteidigen, fällt es leichter, vorne Tore zu schießen."

Das Zauberwort lautet Überzahl

Tatsächlich hat sich der EHC im Vergleich zur Vorsaison offensiv noch einmal gesteigert. Vor der Saison mussten die Wölfe in Luke Pither ihren Topscorer der vergangenen Spielzeit unerwartet abgeben. Aufgrund der Pandemie entschied sich der Publikumsliebling nicht nach Freiburg zurückzukehren. Danner erklärt: "Wir schießen mehr Tore, weil wir die Überzahl-Situationen konsequent ausspielen."

Der vielleicht größte Trumpf dabei sei die Struktur, betont der Kapitän: "Wir wissen einfach ganz genau, wo wir zu stehen haben." Trainer Peter Russell hat ihnen das in stundenlanger Arbeit eingeprägt. "Die Mechanismen trainieren wir jeden Tag", sagt Danner. Will heißen: Wann immer die Wölfe auf dem Eis stehen, versetzt sie Russell in schwierige Spielsituationen, für die sie Lösungen finden müssen. Das Zauberwort lautet Überzahl.

Die Akribie des britischen Nationaltrainers scheint sich zu lohnen

Egal ob in der Defensive oder in der Offensive: Russell will, dass ein Team in jeder Ecke des Eises Überzahl-Situationen herstellt. Auf jeden Gegner sollen zwei Wölfe kommen. Wie das gelingt? Im ersten Schritt lässt der Coach Videos schauen. Eigene Spiele oder die der deutschen Nationalmannschaft, die laut Danner ein ähnliches Verteidigungssystem spielt.

"Wir arbeiten da einfach sehr detailliert." Kapitän Simon Danner
Dabei zeichnet Russell seinen Spielern die eigenen Laufwege vor. Auf die Theorie folgt stets die Praxis. "Wir teilen das Feld von den sechs Bullypunkten aus auf, so dass es verschiedene Zonen gibt. Je nachdem, wo der Gegner steht, weiß dann jeder Spieler, wohin er sich verschieben muss", erklärt Danner. Kein Training vergeht so, ohne dass die Spieler nicht Übungssituationen bekommen haben, aus denen sie sich mit ihren Teamkollegen befreien mussten. Die Akribie des britischen Nationaltrainers scheint sich zu lohnen. Danner findet: "Wir arbeiten da einfach sehr detailliert."

Gelingt ihnen das weiter so gut, könnten sie sich auch zum Ende der Saison in den Tabellengefilden wiederfinden, in denen sie gerade weilen: ganz oben.

Mehr zum Thema: