Angenehm unaufgeregt

Elisa Engler

Von Elisa Engler

Mo, 11. Februar 2019

Klassik

Viktor Ullmanns Kammeroper "Der Kaiser von Atlantis" in Basel.

Totaler Krieg heißt hier der Zustand, der Bedingungen schafft, dem der Verstand nicht folgen kann. Wer gewinnt, wenn Macht und Tod in unermüdlicher Dialektik um den Triumph ihrer Ideologie kämpfen? In der Produktion des Opernstudios OperAvenir stellt Viktor Ullmanns Kammeroper "Der Kaiser von Atlantis" zur Schau, wie gestörte Machtstellungsverhältnisse an Menschenmöglichem zweifeln lassen und es überdies einer Verweigerung bedarf, um ein (gutes) Ende zu finden.

Somit sind Abwarten und Aushalten die Leitgedanken des Werks, welches die Grundstimmung seiner Entstehungszeit gefasst auf die Bühne projiziert – die ehemaligen Insassen von Theresienstadt, Viktor Ullmann und Peter Kien, schreiben das Libretto in den Jahren 1933 und 1934. In Amsterdam wurde "Der Kaiser von Atlantis" uraufgeführt; heute, unter der Regie von Katrin Hammerl, schallt die Stimme des Lautsprechers, des Tods (Andrew Murphy, Bassbariton) im Prolog durch das Foyer des Theaters Basel. Die gesamte Empfangshalle wird zum Spielplatz der Charaktere, ihr Auftreten fügt sich wunderbar in die freie Bühnenstruktur (Bühne und Kostüme: Lisa Dässler). Die cremefarbenen Kostüme wirken vor dem dunklen Hintergrund. Herausragend ist Murphys exzellentes Minenspiel, spitzbübisch erhascht er Sympathie für die Melancholie des Todes. Auch der kindliche Trotz von Tenor Hyunjai Marco Lee als Harlekin und Soldat macht besonders Spaß.

Zart, beinahe fremdartig in der Grobheit der Geschichte erscheint die Zuneigung zwischen Bubikopf (Sopranistin Sarah Brady) und Lees Soldat. Der Bund der Spieler, dem sich später wider Erwarten der Trommler (Alexandra Meier in klarem Mezzosopran) anschließt, erheitert – Liebe wächst überall...

Das Theater Basel hat mit dieser "Art Oper in 4 Bildern" eine angenehm unaufgeregte Produktion geschaffen. Unter der musikalischen Leitung von Stephen Delaney geben 13 Studierende der Hochschule für Musik FHNW/Musik-Akademie Basel dem Geschehen zusätzliche Stringenz durch vorzügliche instrumentale Begleitung.

Letztendlich keimt aus vollständiger Unordnung die Hoffnung zur Neuentstehung dieser Welt: Kaiser Overall (Domen Križajin mit stimmgewaltigem Bariton) ergibt sich, indem er "als erster den neuen Tod leiden" wird. Wenn das scheinbar Ideale Abscheuliches rechtfertigt, um Siege zu feiern, dann regiert nicht des Kaisers guter Wille, sondern blanker Irrsinn – dann fordert der Tod seinen Thron zurück.

Weitere Aufführungen: Foyer Große Bühne des Theaters Basel ab 11. Februar.

Weitere Infos unter http://www.theater-basel.ch