Debbie Harry 75

Die Frau, die als Sängerin von Blondie Pop-Perlen mit Punk-Attitüde verband

Otto Schnekenburger

Von Otto Schnekenburger

Di, 30. Juni 2020 um 20:56 Uhr

Rock & Pop

Über Jahre prägte Debbie Harry mit der Band Blondie die Popwelt, mit "Rapture" gelang ihr der erste Titel mit Rap-Gesang auf Platz 1 der US-Charts. Am Mittwoch, 1. Juli, feierte sie ihren 75. Geburtstag.

Sie war eine der wichtigsten Frauenstimmen des New Wave, verband eine Punk-Attitüde mit Pop-Perlen wie "Sunday Girl", "Call Me", "Denis" oder "Heart of Glass", die kaum an Glanz und Drive verloren haben. Künstlerinnen von Kim Wilde und Madonna bis hin zu Courtney Love und Lady Gaga ließen sich von ihr inspirieren. Am Mittwoch, 1. Juli, wurde Debbie Harry, Sängerin der Band Blondie, 75 Jahre alt.



Als Frontfrau war Harry auch optisch der Mittelpunkt der Band, sie spielte mit einem offensiven Sex-Appeal, als dies für eine Frau im Pop weit ungewöhnlicher war als später. Von ähnlichem Gespür und Lässigkeit war ein gutes halbes Jahrzehnt hinweg ihr Umgang mit den Stilen. Da waren der treibende Disco-Beat von "Heart of Glass", die schleppenden Reggae-Rhythmen von "The Tide is High". Und da war "Rapture", der Titel, mit dem Harry die erste Single mit Rap-Gesang, die Platz 1 der US-Charts erstürmte, gelang. Sie erschloss Rap-Gesang so ein neues Publikum – darunter waren, wie Debbie Harry gerne erzählt, auch spätere Hip-Hop-Musiker. Vom Graffiti-Künstler und Rap-Pionier Fab 5 Freddie, der im Video zu "Rapture" von Jean-Michel Basquiat gespielt wird, erhielt Debbie einen Einblick in die in der zweiten Hälfte der 70er-Jahre aufblühende New Yorker Hip-Hop-Szene und Kontakte zu Künstlern wie Joseph Saddler alias Grandmaster Flash.



Das Mädchen aus New Jersey, das als Angela Trimble geboren und von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben wurde, sang erst im Kirchenchor und machte in den 60ern mit "The Wind in the Willows" noch Hippie-Folk-Rock. Als Kellnerin im von der Künstler-Szene frequentierten New Yorker Club "Max’s Kansas City" lernte Harry Andy Warhol, Jimi Hendrix, David Bowie und Iggy Pop kennen. Noch wichtiger für sie sollte ein anderer Mann werden: Als Sängerin im Girl-Trio The Stilettos traf Harry auf den fünf Jahre jüngeren Chris Stein. Der Beginn einer großen Liebes- und Arbeitsbeziehung – und einer Freundschaft für das Leben. 1974 gründeten sie Blondie.



Debbie Harrys Solo-Album "Koo-Koo" markierte schon in den frühen 80ern einen Wendepunkt in der Karriere, die Band hatte zu der Zeit auch miteinander Probleme. Später erkrankte Chris Stein schwer und lange, Harry umsorgte ihn. Sie verlagerte sich auf Filmrollen, mit dem lieblichen "French Kissin’" gab es für Harry 1986 noch einen Hit, 1999 riefen Blondie sich mit dem an alte Erfolge erinnernden "Maria" nochmal verstärkt in Erinnerung. In Großbritannien erreichte der Titel noch einmal die Spitze der Charts, geschrieben hatte ihn Keyboarder Jimmy Destri, von dem auch einige der frühen Erfolge wie "Atomic" stammten.

2019 veröffentlichte Debbie Harry unter dem Titel "Face It" eine Autobiographie eines auch von Schicksalsschlägen und Drogenproblemen geprägten Lebens. Im März dieses Jahres wollten Debbie Harry und Chris Stein dieses Buch auf einer "In Conversation" genannten Lesereihe auch in Deutschland vorstellen, die Auftritte der beiden in vier deutschen Städten (Köln, München, Berlin und Hamburg) sollen nun im September nachgeholt werden.