Angesichts des Verbrechens sollte keine "Verständigung" möglich sein

Cathrin Steuber

Von Cathrin Steuber (Freiburg)

Do, 02. Juli 2020

Leserbriefe

Zu: "Polizist bestraft wegen Kindesmissbrauchs", Agenturbeitrag (Aus aller Welt, 20. Juni)
Wie kann es sein, dass es "eine Verständigung auf ein Strafmaß im nun beschlossenen Rahmen gegeben (hat)" – aufgrund eines Geständnisses? Das Wort Verständigung impliziert doch eine Vereinbarung auf Augenhöhe. Ein Straftäter hat aber eine Straftat begangen, welche eine Strafe und ein Strafmaß nach gesetzlichen Vorgaben (Strafrecht) zur Folge hat.

Kindesmissbrauch sollte nicht mithilfe einer "Verständigung" über ein Strafmaß geahndet werden. Das hört sich für den Leser an, als ob zwei Parteien einen Deal über das Strafmaß abgeschlossen hätten. Es geht aber um Missbrauch an einer unter (grund-)gesetzlichem Schutz stehenden Bevölkerungsgruppe – es geht um das besondere Schutzbedürfnis von Kindern und Jugendlichen. Es sollte angesichts eines schrecklichen Verbrechens – einer Straftat – nicht zu einer "Verständigung" im Sinne eines Deals, sondern zu einem gerichtlichen Urteil über eine Strafe und über ein Strafmaß kommen. Denn: Wie viel das Geständnis des Täters wert ist, wird sich erst nach Ablauf der Strafe, nach der Entlassung, erweisen. Die Rückfallquoten von Missbrauchstätern sind bekannt. Cathrin Steuber, Freiburg