Anonyme Attacken

Monika Bauer, Klasse SG9B,

Von Monika Bauer, Klasse SG9B &

Fr, 19. Dezember 2014

Schülertexte

Im Netz lässt sich leicht mobben / Doch es gibt auch Möglichkeiten dagegen anzugehen.

Mobbing gab es schon immer. Doch die digitalen Medien verschärfen das Problem, denn sie machen anonyme Attacken möglich, was viele Menschen dazu verleitet, Dinge auszusprechen, die sie im wirklichen Leben niemals sagen würden. Ein Bericht über die neuen Spielarten sozialer Ausgrenzung.

Sabrina H., ein ehemaliges Mobbing-Opfer, erzählt, wie sich von einem Tag auf den andern ihre Freunde in ihre Feinde verwandelten. Weshalb, wusste sie nicht. Erst nach einiger Zeit wurde ihr klar, dass es sich um absurde Gerüchte handelte, die in der Schule über sie kursierten. Böse Blicke, Lügengeschichten, Lästereien und dumme Kommentare musste sie über ein halbes Jahr lang aushalten. Auch die Menschen, die noch hinter ihr standen, wurden ausgelacht. Ihre Leistungen in der Schule verschlechterten sich. "Ich habe mich irgendwann nicht mehr getraut, mich zu melden", sagt sie. Auf die Frage, was sie hätte anders machen sollen, antwortet sie: "Mehr Mut zusammennehmen. Und gleich mit den Leuten reden."

Leider ist die Geschichte von Sabrina H. kein Einzelfall. Mobbing ist in den letzten Jahren ein großes Thema geworden. Jugendliche sowie Erwachsene leiden darunter. Früher passierten Mobbing-Attacken nur in der Öffentlichkeit. Heutzutage sind Angriffe auch durch digitale Medien möglich. "Sie geben dem Täter auf jeden Fall Anonymität", meint Polizeibeamtin Borgert aus Emmendingen. In sozialen Netzwerken lassen sich eher Dinge sagen, als wenn man jemandem persönlich gegenübersitzt. Da man rund um die Uhr Zugriff auf Medien oder soziale Netzwerke hat, gibt es keinen Rückzugsort für die betroffene Person.

Die Reaktion auf Beleidigungen ist bei jedem Menschen anders. Einige beleidigen einfach zurück, andere wiederum ignorieren sie und versuchen, sich nichts anmerken zu lassen. Manchmal interagieren Freunde und beschützen das Opfer. Wichtig ist es dem Täter zu übermitteln, dass es kein Spaß ist. Wenn die Grenze permanent überschritten wird, sollte man sich Hilfe holen und sich anderen Menschen anvertrauen. Das können gute Freunde sein, die Eltern oder auch Lehrer. Hauptsache ist, man bekommt Unterstützung. Auch Telefon-Hotlines wie die Nummer gegen Kummer können eine gute Gesprächsalternative sein.

"Meistens fehlt einfach die nötige Kommunikation", meint Beratungslehrerin Ada Düwel von der Carl-Helbing-Schule Emmendingen. Um einen Mobbing-Fall in der Schule zu analysieren, hört sie sich erst einmal beide Perspektiven an – sowohl die des Opfers als auch die der Täter. Das ist dann meistens schon sehr aufschlussreich. Im Idealfall tauschen sich beide Seiten aus und versuchen einander zu verstehen. Wenn nichts hilft, kann das Opfer auch die Schule wechseln. Doch Erwachsene können sich nicht einfach einen neuen Arbeitsplatz suchen.

Wenn Mobbing-Attacken nicht aufhören, obwohl man interagiert hat, sollte man einen Anwalt aufsuchen und Beweise vorlegen können. Man erhebt Anklage und das Gericht entscheidet, ob eine Straftat vorliegt und welche Strafe fällig ist. Bei Erwachsenen geht es von Schmerzensgeld bis hin zum Dienstausschluss. Bei Jugendlichen ist es zwar milder, da das Jugendstrafgesetz ein Jugendschutzgesetz ist, dennoch kann es bis zum Schulausschluss kommen.

Wie Betroffene diese Zeit verarbeiten, ist unterschiedlich. Es gibt Menschen, die fühlen sich stark beeinträchtigt, und es gibt Leute, die auch sehr schlimme Dinge sehr gut überstehen. Um Mobbing vorzubeugen, können Schulklassen sich eine Aufklärungspräsentation anhören, die die Polizei, Beratungslehrer oder Schulpsychologen anbieten. Außerdem sollte man sich um ein gutes Miteinander in der Schule und am Arbeitsplatz bemühen. Komplett verhindern lässt sich Mobbing nicht.