Mond-Chauffeur

Apollo 11-Astronaut Michael Collins ist gestorben

dpa/tst

Von dpa & Thomas Steiner

Mi, 28. April 2021 um 20:21 Uhr

Panorama

Er war der dritte Mann von Apollo 11: Als am 21. Juli 1969 US-Astronauten auf dem Mond landeten, blieb er in der Kommandokapsel und umrundete den Erdtrabanten. Nun ist Michael Collins gestorben.

Michael Collins hatte den wohl undankbarsten Job der Raumfahrtgeschichte: Während weltweit rund eine halbe Milliarde Zuschauer vor ihren Fernsehern gebannt die Mondlandung verfolgten, war der Astronaut mittendrin – und doch ganz alleine. Collins drehte am 21. Juli 1969 (deutscher Zeit) in der Kommandokapsel "Columbia" Warteschleifen um den Mond, während seine Kollegen Neil Armstrong und Buzz Aldrin mit der Landefähre "Eagle" auf der Oberfläche des Erdtrabanten landeten.

Am Mittwoch ist Collins im Alter von 90 Jahren gestorben, wie seine Familie und die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilten. Er habe an Krebs gelitten und "seine letzten Tage friedlich im Kreis seiner Familie verbracht", hieß es in einer Mitteilung.

Collins bekam nach der Rückkehr von Apollo 11 zur Erde gleich zwei Beinamen. Weil er auf der Rückseite des Mondes jeweils für eine gute Dreiviertelstunde ohne Funkkontakt zur Erde war, wurde er der "einsamste Mensch der Welt" genannt. Und weil US-Präsident Richard Nixon bei seiner Live-Schalte vom Weißen Haus zum Mond vergaß, Collins zu erwähnen und nur zu den anderen beiden sprach, ging er auch als der "vergessene Astronaut" in die Geschichte ein.

Einsam sei er damals aber gar nicht gewesen, hatte Collins zu Lebzeiten immer wieder betont. "Ich habe mich als Teil dessen gefühlt, was auf dem Mond passiert. Ich weiß, dass ich ein Lügner oder Blödmann wäre, wenn ich sagen würde, dass ich den besten der drei Sitze von ‚Apollo 11‘ hatte, aber ich kann ehrlich sagen, dass ich zufrieden mit dem bin, den ich hatte. Die Unternehmung war für drei Männer angelegt und ich sehe mich als genauso notwendig an wie die beiden anderen."

Als Helden hat er sich nie gesehen

Drei Jahre vor der "Apollo 11"-Mission hatte er schon an einer anderen bedeutenden Weltraumunternehmung teilgenommen – und da nicht nur als Chauffeur. Collins war Pilot der "Gemini 10"-Mission, der ersten, bei der das Raumschiff an gleich zwei Satelliten nacheinander andockte. Dabei wurde er auch der erste Mensch, der sich im All von einem Flugkörper zum anderen bewegte, und nie zuvor waren Menschen weiter von der Erde entfernt gewesen.

Geboren wurde Collins 1930 in Italien als Sohn eines US-Militärattachés. Seinem Highschool-Abschluss in den USA folgte die Aufnahme in die Militärakademie und Kader-Schmiede West Point, wo er sich zum Kampfflieger und Testpiloten ausbilden ließ. 1963 schaffte es Collins in die Astronautenauswahl der Nasa.

Nur ein Jahr nach seinem Flug zum Mond verließ er die Raumfahrtbehörde jedoch wieder und wurde Ministerialdirektor im Außenministerium. 1971 übernahm er den Direktorenposten im Nationalen Luft- und Raumfahrtmuseum in Washington. 1980 ging er in die Wirtschaft und gründete später seine eigene Firma. Außerdem schrieb Collins, der zusammengezählt mehr als elf Tage im All verbracht hat, zahlreiche Bücher über seine Reisen ins All. Der dreifache Vater bekam zahlreiche Auszeichnungen, zudem sind unter anderem ein Mondkrater und ein Zwergplanet nach ihm benannt.



Im Alter zog sich Collins zurück. "Grummelig" sei er geworden, sagte er einmal. Seine Zeit verbringe er mit "Laufen, Fahrradfahren, Schwimmen, Angeln, Malen, Kochen, Lesen, Sorgen um die Börsenwerte machen und der Suche nach einer guten Flasche Cabernet für weniger als zehn Dollar". Als Held habe er sich nie gesehen. "Es gibt Helden, die auch gefeiert werden sollten, aber Astronauten gehören nicht dazu. Wir arbeiten hart und haben unsere Aufgabe fast perfekt erfüllt, aber dafür waren wir angestellt worden." Er habe Glück gehabt im Leben – und sei glücklich gewesen. "Schreibt ‚Glücklich‘ auf meinen Grabstein."

Michael Collins ist der zweite "Apollo 11"-Astronaut, der gestorben ist. Neil Armstrong, der erste Mensch auf dem Mond, starb 2012. Buzz Aldrin ist mittlerweile 91 Jahre alt.