Kelten und Alemannen

Archäologen führen BZ-Leser über historischen Pfad in Ehrenkirchen

Jannik Jürgens

Von Jannik Jürgens

Do, 15. Oktober 2020 um 15:20 Uhr

Ehrenkirchen

Auch um Raubgräbern das Leben schwer zu machen, ist der Archäologiepfad am Kegelriss eingerichtet worden. Christel Bücker und Michael Hoeper zeigten die Vermächtnisse von Kelten und Alemannen.

Auch um Raubgräbern das Leben schwer zu machen, ist der Archäologiepfad am Kegelriss zwischen Ehrenstetter und Ambringer Grund eingerichtet worden. "Wenn viele Leute unterwegs sind, werden die abgeschreckt", erklärte Christel Bücker von der Förderstiftung Archäologie den 22 Teilnehmern der BZ-Hautnah-Veranstaltung. Zusammen mit Michael Hoeper wanderten sie zweieinhalb Stunden über den Pfad, der eine keltische Höhensiedlung mit Alemannengräbern verbindet.

Eine Anekdote, die nicht unbedingt mit Archäologie zu tun hatte, sorgte zu Beginn des Rundgangs für Schmunzeln. Auf dem Lehenhof, gleich neben Schützenhaus, lebte einst der Karl-May-Verleger Friedrich Ernst Fehsenfeld. Als ihn der Schriftsteller der bekannten Abenteuerromane besuchte, soll es hoch hergegangen sein. May und Fehsenfeld zechten bis tief in die Nacht und rauchten dabei derart viele Zigarren, dass ein Kanarienvogel am nächsten Morgen tot im Käfig gelegen habe. Ähnlich kurzweilig und anschaulich berichteten Bücker und Hoeper über die Stationen des Archäologiepfades. Gut 160 Meter ging es hinauf auf den Kegelriss, wo zwischen 150 und 80 vor Christus Kelten siedelten. Dem Feldherren Alexander dem Großen sollen sie auf die Frage, wovor sie sich fürchteten, erwidert haben: "Dass uns der Himmel auf den Kopf fällt."

Münzen und Bruchstücke von Gefäßen wurden gefunden

Die Fläche des Risses ist etwa 16 Hektar groß, war aber nicht komplett besiedelt. "Hier sind 57 keltische Münzen und Bruchstücke von Gefäßen gefunden worden", sagte Bücker. Wer etwas finde, dürfe er es allerdings nicht behalten, denn archäologische Funde gehören dem Land. "Raubgräber stellen hier ein echtes Problem dar", sagte Bücker. Sie rissen Funde aus dem Zusammenhang und machten sie damit wertlos. Die Reste der einst bis zu sechs Meter hohen Befestigungsmauer aus Holz und Erde sind noch gut zu erkennen. Steine gehörten auch zur Anlage. Die Archäologen vermuten, dass die Kelten hier Silbererz schürften. Die Spuren seien allerdings vom mittelalterlichen Bergbau überlagert worden. Anders als bei den bekannten keltischen Siedlungen in der Region lag die Siedlung auf dem Kegelriss nicht an einer Handelsstraße. Warum die Kelten die Siedlung aufgaben, wissen die Archäologen nicht.

Die Gruppe wanderte dann zu den Alemannengräbern, etwa 2,6 Kilometer durch den Wald. Der Weg ist mit einem keltischen Krieger mit Lanze auf grünem Grund ausgeschildert. Warum einige von "Alamannen" und andere von "Alemannen" sprechen, darüber wurde reichlich gerätselt. Eine Idee: Als Alemannen könnte man die aktuellen Einheimischen bezeichnen, als Alamannen die historischen. Eine andere: Historiker benutzen eher den Namen Alamannen, Archäologen wie Bücker und Hoeper bevorzugen die Bezeichnung Alemannen. Die beiden vermuten, dass die im Ambringer Grund begrabenen Alemannen Verbündete der Römer waren, die sich hinter den Rhein zurückgezogen hatten.

Ortsnamen weisen auf Alemannensiedlungen hin

Endungen von Ortsnamen wie -ingen und -heim weisen noch heute auf Alemannensiedlungen hin. Aus Gundelfingen komme die Sippe des Gundolfs, Heitersheim sei das Heim des Heitos. Auch interessant: Eine römische Quelle bezeichnet die Alemannen als "zusammengespülte und vermengte Menschen", also Personen, die aus vielen Regionen und Stämmen kamen. "Ich weiß gar nicht so viel über die Alemannen", sagte ein Teilnehmer. Und dass, obwohl er in der Region aufgewachsen sei.

Zunächst hatten die Alemannen ihre Toten in Reihengräbern bestattet, ähnlich wie wir das heute machen, sagte Bücker. In Mengen und Ebringen stießen die Archäologen auf Reihengräber mit bis zu 1000 Personen. "Mitte des siebten Jahrhunderts hat sich das geändert", erklärte die Archäologin. Statt große Friedhöfe anzulegen, bestatteten die Alemannen ihre Toten in kleineren Einheiten gleich bei ihren Höfen. Drei Gräber eines solchen kleinen Friedhofs haben Hoeper und Bücker im Frühjahr freigeputzt. Eines soll überdacht werden, damit es nicht wieder zuwächst. Schon 1908 sind die Steinkistengräber am Waldrand entdeckt worden. Sie waren mit großen Steinplatten abgedeckt, eine Platte wurde aufgestellt und weist auf die Gräber hin. "Solche Gräberfelder findet man oft", sagt Bücker. Sie erzählt, wie ein Obstbauer aus Mengen beim Pflügen auf dem Acker eines gefunden hat. "Der hat sich gefreut wie ein Kind", sagt Bücker –, obwohl der Pflug danach kaputt gewesen sei. Die Teilnehmer bedankten sich mit Applaus für die informative Wanderung.