Lörrach

Architektur mit Vorbildcharakter – Ausstellung mit prämierten Bauwerken im Landratsamt

Thomas Loisl Mink

Von Thomas Loisl Mink

Mo, 09. Dezember 2019 um 09:00 Uhr

Lörrach

Im Landkreis Lörrach gibt es viele beispielhafte Bauwerke. 21 Gebäude wurden von der Architektenkammer ausgezeichnet. Diese sind bis 19. Dezember in einer Ausstellung im Landratsamt zu sehen.

Im Landratsamt wurden die Preise übergeben, dort ist im Foyer auch bis zum 19. Dezember eine Ausstellung zu sehen, die die prämierten Bauwerke vorstellt. "Die Umwelt prägt unser Wohlbefinden, und so haben auch Bauten eine öffentliche Wirkung", stellte Landrätin Marion Dammann fest, die als Schirmherrin fungierte. Es sei ihr ein Anliegen, ein Bewusstsein für die Bedeutung der Architektur im Alltag zu schaffen, sagte sie. 58 Arbeiten wurden eingereicht, nach einer Vorauswahl hat eine Jury 21 prämiert, wobei das ganze Kreisgebiet vertreten ist.

"Die Qualität, die wir gefunden haben, hat uns begeistert. Und es gibt auch hidden champions wie den Bau der Bürstenfabrik Keller in Todtnau", Sabine Schneider
Der Dichter Hans Magnus Enzensberger nannte die Architektur eine "terroristische Kunst", weil sie unseren Lebensraum bildet und man sie nicht weglegen kann wie ein Buch, sagte Sabine Schneider, Architektin aus St. Georgen und Vorsitzende der Jury. Aufgabe der Architekten sei es daher, den bebauten Teil der Umwelt menschlich zu gestalten. Dichte erzeuge Reibung und Konflikte, doch man habe auch überzeugende Projekte der Nachverdichtung gefunden, etwa beim Projekt "Jericho" in Grenzach-Wyhlen oder am Messeplatz in Weil am Rhein. Der sozialen Verpflichtung sei man mit dem Projekt Dammstraße in Lörrach vorbildlich nachgekommen, auch das Wohnprojekt für Menschen mit Behinderung in Herten habe in dieser Hinsicht überzeugt.

"Die Qualität, die wir gefunden haben, hat uns begeistert. Und es gibt auch hidden champions wie den Bau der Bürstenfabrik Keller in Todtnau", sagte Schneider. Vorbildliche Bauten im Bestand habe man gefunden, Projekte, die den vorhandenen Kontext aufnähmen und damit auch einen Mehrwert für die Nachbarschaft brächten. "Was wir gefunden haben, sind beispielhafte Bauten, keine terroristischen", stellte Schneider fest.

Carmen Mundorff, Architektin und Geschäftsführerin der Architektenkammer Baden-Württemberg, stellte die prämierten Bauwerke vor. Das IHK-Bildungszentrum Schopfheim (Krehl.Girke Architekten) überzeugte durch Präzision, Klarheit und sorgfältige Details. Mit klarer Formensprache und heimischer Holzfassade sprach die Schulmensa Todtnau (Thoma.Lay.Buchler.Architekten) die Jury an. Als beispielhaft für andere Kommunen bezeichnete sie das Sozialintegrative Wohnquartier Dammstraße Lörrach (Kränzle + Fischer-Wasels Architekten). Mit der Solarstadt am Messeplatz in Weil am Rhein (Siedlungswerkstatt Konstanz) wurde ein Projekt zweier privater Baugemeinschaften ausgezeichnet. Die Wohnanlage für Menschen mit Behinderung in Rheinfelden-Herten (Moser Architekten) füge sich maßstäblich in das Umfeld ein. "Hier ist Inklusion beispielhaft gelungen", sagte Carmen Mundorff.

Neue Ansätze und zeitgemäßer Wohnraum

Das neue Quartier "Jericho" in Grenzach (Thoma.Lay.Buchler.Architekten) bietet mit wenigen gestalterischen Mitteln zeitgemäßen Wohnraum. Den Umbau einer Scheune zum Wohnhaus in Kandern-Gupf (Ralf Brandhofer) zeige einen neuen Ansatz bei der Konversion landwirtschaftlicher Gebäude. Auch in Herten sei eine Scheune vor dem Abbruch bewahrt und liebevoll zum Wohnhaus umgebaut worden (Architekturbüro Knöpfel), und ein historischer Gutshof in Efringen-Kirchen sei beispielhaft zu Wohnraum umgebaut worden (Siedlungswerkstatt Konstanz). Der Wohnturm "Weitblick" in Lörrach (Wilhelm und Hovenbitzer und Partner) wurde ebenso als vorbildlich gelobt wie die Sanierung und Aufstockung einer Wohnanlage auf dem Salzert in Lörrach (Thoma.Lay.Buchler.Architekten). Prämiert wurde das Gemeinschaftszentrum Neumatt, Lörrach (Wilhelm und Hovenbitzer und Partner), das geschickt einen älteren Bau ergänze, sowie das Gemeindehaus der Johannesgemeinde Weil am Rhein (Thoma.Lay.Buchler.Architekten), das sich behutsam an das Vorhandene anschmiege.

Ausgezeichnet wurden auch das Wohnhaus Langackerweg in Lörrach (Marco Glockner), der Umbau des Ladengeschäfts Zickenheiner Optik in Lörrach (Wilhelm und Hovenbitzer und Partner) sowie die genannte Bürstenfabrik Keller in Todtnau (Thoma.Lay.Buchler. Architekten), ein Mehrfamilienhaus in der Haagenerstraße Lörrach (Wilhelm und Hovenbitzer und Partner), der Lörracher Hebelpark (AG Freiraum) sowie das evangelische Gemeindehaus Brombach (Thoma.Lay.Buchler.Architekten). Bei der Turnhalle Tumringen (K 9 Architekten) überzeugte der harmonisch gegliederte Baukörper die Jury, und das Gästehaus Waldfrieden in Todtnau-Herrenschwand (Werkgruppe Lahr) überzeugte, weil es die Bauform traditioneller Schwarzwaldhäuser aufnehme und sich harmonisch in die Landschaft einfüge.