ARD und ZDF zielen online auf die Jungen

Bettina Wieselmann

Von Bettina Wieselmann

Fr, 22. Mai 2015

Computer & Medien

Das Internetangebot des Öffentlich-Rechtlichen soll Mitte 2016 starten – Verjüngungseffekte für Fernsehen und Radio erwartet.

"Wir erreichen junge Leute auf den traditionellen Wegen nur noch punktuell", weiß SWR-Intendant Peter Boudgoust schon lange. Denn das Mediennutzungsverhalten der 14- bis 29-Jährigen habe sich grundlegend geändert. Seit langem setzt er sich deshalb für ein crossmediales Programm von ARD und ZDF in TV, Radio und Internet ein: Schließlich sei der öffentlich-rechtliche Grundversorgungsauftrag nicht auf die Älteren beschränkt. Vergangenen Oktober gaben die Ministerpräsidenten grünes Licht – aber "nur" für ein werbefreies Online-Angebot. Ein Feld, auf dem sich ARD und ZDF bisher nur in engem Zusammenhang mit dem in Fernsehen und Radio verbreiteten Programm tummeln dürfen. Finanziert wird das 45 Millionen teure Internetangebot durch die Einstellung der Digitalkanäle ZDF Kultur und EinsPlus.

Ehe am Donnerstag dem federführenden SWR-Rundfunkrat (und nächste Woche dem ZDF-Fernsehrat) das bisher erarbeitete Konzept vorgelegt wurde, gaben Boudgoust, ZDF-Chefredakteur Peter Frey und der Gründungsgeschäftsführer des "Jungen Angebots", Florian Hager (39), in Stuttgart einen Blick in die Werkstatt frei.

Radikal anders rangehen

Deutlich wurde vor allem eines: Bis zum Start frühestens Mitte 2016 (zuvor müssen die Länderchefs das Konzept noch billigen und eine entsprechende Änderung des Rundfunk-Staatsvertrags durch die Landtage bringen) muss noch viel gewerkelt werden. Hager, derzeit auch Vize-Programmchef des deutsch-französischen Kultursenders Arte, sprach von einer "echten Herausforderung; wir müssen radikal anders rangehen."

Die potenziellen jungen Nutzer sollen nicht nur Empfänger, "sondern Teil des Teams" sein. Das wird mit etwa 60 vor allem jungen Macherinnen und Machern in Mainz sitzen und nicht nur die Website mit eigenen, aber auch aus den Rundfunkanstalten zugelieferten und neu aufgemachten Inhalten füllen. Damit verjüngen die öffentlich-rechtlichen Sender ihr eigenes Personal deutlich. Auf anderen Plattformen wie Youtube oder Facebook werde man ebenfalls präsent sein. Ziel sei ein "klares öffentlich-rechtliches Profil mit Bewegtbild im Zentrum, aber nicht nur".

Chefredakteur Frey erwartet sich durch das bislang namenlose Online-Angebot wie Boudgoust auch einen gewissen "Verjüngungseffekt" auf die bestehenden Programme, "das ist ein mindestens ebenso großer Wert wie die Plattform, die entsteht". Als Konkurrenz zu kommerziellen Angeboten sehe man sich nicht: "Wir ergänzen den Markt."