Auf Handwerk und Tradition setzen

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Di, 30. Juli 2019

Titisee-Neustadt

Die Geschäftssanierung bei der Bäckerei Gehri hat begonnen / Fünf Filialen geschlossen / Logo und Internetauftritt geändert.

TITISEE-NEUSTADT (tab). "Wir schauen optimistisch in die Zukunft." Thomas Schuble und seine Tochter Carolin stehen vor einem der großen Backöfen, in denen weniger Stunden zuvor noch die Laibe glühten. Schuble ist Bäckermeister und Geschäftsführer der Bäckerei Gehri. Der Betrieb mit Sitz in Neustadt war in wirtschaftliche Schieflage geraten und hatte im Frühjahr die Sanierung in Eigenverwaltung eingeleitet (die BZ berichtete). Jetzt sind die ersten Umstrukturierungen und Neuerungen erfolgt, die Schuble bei einem Treffen mit Bürgermeister Armin Hinterseh und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Felix Schreiner erläuterte.

So wurden Filialen in Bad Säckingen, Laufenburg, Villingen-Schwenningen und Brigachtal geschlossen, die Zahl der Beschäftigen von 230 auf 210 verringert. "Diese Leute sind entweder in Ruhestand gegangen oder konnten an andere Arbeitgeber vermittelt werden", erklärt Norbert Beigel, einer der Berater, die Schubles unterstützen. Geschieht diese in Eigenverwaltung, bleibt – im Gegensatz zur Insolvenz – die Geschäftsführung voll handlungsfähig. Statt eines Insolvenzverwalters gibt es einen Sachverwalter.

Erneuert wurde der Firmenauftritt: Logo und Homepage wurden geändert, um den Ursprung des Unternehmens, die Familienrezepte, die Beheimatung im Schwarzwald und die Handarbeit besser herauszustellen. "Wir haben eben keine Teiglinge, sondern machen zum Beispiel jede Brezel von Hand", versichert Carolin Schuble. 25 Bäcker plus Helfer stehen dafür jede Nacht in der Backstube, dazu kommen 15 Konditoren mit ihren Helfern. Rund vier Tonnen Backwaren verlassen laut Schuble jeden Tag die Backstube, darunter 25 000 Weckle. Ein Wochenendlieferservice für Eisenbach wurde eingerichtet, ein Internethandel aufgebaut. Geplant ist, eine eigene Kaffeesorte mit dem Firmenlogo, Marmeladen und mehr in den Filialen zu verkaufen.

Das alles soll die Kunden aufmerksam auf das Lebensmittel Brot machen und ein Umdenken einläuten. Denn: Laut Schubles waren die Schwierigkeiten für die Firma durch das veränderte Einkaufsverhalten vieler Kunden entstanden, die ihre Backwaren an den Automaten der Discounter kaufen. "Manche haben den Mehrwert des Handwerks noch nicht erkannt. Viele überlegen nicht, warum die Automatenweckchen so billig sind, wie sie sind."