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Auf intelligente Weise den Spiegel vorgehalten

Udo Schulte

Von Udo Schulte (Binzen)

Fr, 30. April 2021

Leserbriefe

Zu: "Vorsicht, Satire!", Leitartikel von Thomas Fricker (Politik, 24. April)

Ich bin altersmäßig Mitglied der Hochrisikogruppe, habe eine Corona-Erkrankung selber durchgemacht und war viele Jahrzehnte als Arzt tätig. Deshalb verfolge ich die öffentliche Debatte um den Umgang mit dieser Erkrankung aufmerksam, interessiert und mit einem sehr langfristigen Erfahrungshorizont.

Es wurde Zeit, dass den medialen Apologeten unserer ungeschickt managenden politischen Querlenker der Spiegel vorgehalten wurde. Liefers und viele andere haben das auf eine feine, intelligente und sprachlich herausragende Weise gemacht. In Zeiten, in denen Böhmermann für einen Satiriker gehalten wird, ist es nachvollziehbar, dass einige "einordnende" journalistische Instant-Gelehrte diesen selten gewordenen eleganten Schlag mitten auf die Zwölf nicht goutieren. Das Hassgeschwurbel, das Teile der kommentierenden Klasse daraufhin bundesweit veröffentlichten, die Berufsverbot-Forderungen eines SPD-Rundfunkrates und die an die Biermann-Affäre erinnernde Ad-hominem-Argumentation vieler Journalisten und öffentlicher Personen sind eine überzeugende Rechtfertigung dieser handwerklich brillanten Aktion.

Als Journalist und somit professioneller Mann des Wortes muss man den geschliffenen Duktus des Liefers-Textes nicht unbedingt beherrschen. Man sollte ihn aber zu verstehen und einzuordnen wissen. Wer Ironie und Satire nicht erkennt und/oder ihr offensichtlich nicht gewachsen ist, verfasst Mimimi-Texte, wie ihn Herr Fricker am 24. April als Leitartikel veröffentlicht hat. Wenn das hohle Pathos der Medien persifliert wird und man getroffen in genau diesem hohlen Pathos antwortet, dann stellt der Leser fremdschämend fest, dass hier ein Hallen-Halma-Amateur versucht, Lewandowski auf dem Fußballfeld zu umdribbeln. Hätte er seine eigene Überschrift doch nur ernst genommen...Udo Schulte, Binzen