Auf und Ab

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 18. Oktober 2020

Handball 2. Bundesliga

Zwei Frauenteams in Südbaden nach dem Saisonstart: ESV Weil und HSG Freiburg.

Tischtennis-Frauen-Erstligist ESV Weil befindet sich nach seinem Aufstieg in die Bundesliga im Aufwind, die Handballerinnen der HSG Freiburg hingegen müssen auch in der zweiten Zweitliga-Saison Lehrgeld zahlen. Über das Auf und Ab der Südbadenerinnen.

Alen Kovac ist derzeit guter Dinge. Der 49-jährige Cheftrainer des ESV Weil erlebt mit seinem Verein einen gemütstechnischen Höhenflug. Und kostet das dementsprechend aus: "Wir sind sehr zufrieden mit dem Start. Unser Ziel, die Playoffs zu erreichen, scheint realistisch", sagt der ehemalige kroatische Nationalspieler.

Zwar verloren seine Erstliga-Spielerinnen zuletzt den Auftakt in die Tischtennis-Saison mit 2:6. Aber gegen das Topteam TSV Langstadt hatte der Trainerfuchs ohnehin keinen Sieg eingeplant. Grund zur Freude bot in erster Linie das Pokalturnier Anfang September in Berlin. Durch Siege über die Berliner Füchse und den TTC Bingen haben sich die Südbadenerinnen zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte für das Final-Four-Turnier des deutschen Pokals im Januar in Hannover qualifiziert. "Das war teilweise schon richtig gut", findet Kovac, der mit seinem Team dieses Frühjahr unerwartet in den Genuss des Aufstiegs gekommen war. Im Abschlussklassement der frühzeitig beendeten Saison hatte der ESV auf dem zweiten Platz gestanden. Da aber Tabellenführer TTC Weinheim nicht von seinem Aufstiegsrecht Gebrauch machte, wurde ein Platz für Weil frei.

Das Projekt Bundesliga stellt für den kleinen Verein um die Vereinsspitze aus Serge und Doris Spiess eine große Herausforderung dar – finanziell und infrastrukturell. "Aber bisher meistern wir das gut", sagt Trainer Kovac. Was auch daran liegt, dass die Weilerinnen ihr Team verstärkt haben. Neu am Rhein sind die Serbin Izabela Lupulesku und das deutsche Nachwuchstalent Sophia Klee. Insbesondere Lupulesku hat bereits einen guten Eindruck hinterlassen. Besonders zufrieden ist Trainer Kovac aber derzeit vor allem mit der Bulgarin Polina Trifonova. "Sie ist in der Form ihres Lebens", lobt der kroatische Coach, der daran glaubt, dass die Hochphase der Rechtshänderin noch lange anhält. Am heutigen Sonntag empfängt Weil den SV Böblingen. "Ein Team mit ganz starken Spielerinnen, aber ich bin guter Dinge", sagt der Trainer. Er hofft, dass sein Team weiterhin seine Stimmung aufhellt.

Weniger euphorisch kommen derzeit die Handballerinnen der HSG Freiburg daher. Im Frühjahr waren die Red Sparrows dem Abstieg in der zweiten Liga entkommen, als der Verband entschied, die Liga abzubrechen und kein Team absteigen zu lassen. Im Sommer arbeitete Ralf Wiggenhauser daher besonders lange und intensiv dafür, diese Saison in ruhigeren Fahrwassern verbringen zu können.

Die HSG-Frauen hoffen auf den ersten Sieg

Bisher aber tun sich die Wurfkünstlerinnen schwer in der zweithöchsten Spielklasse. Nach vier Spielen steht die HSG noch ohne Sieg da. In der Tabelle bedeutet das den drittletzten Platz. Die Red Sparrows verharren im Abstiegskampf. Aber nicht nur deswegen war Trainer Wiggenhauser vergangene Woche extrem eingespannt. In der Sportschule Hennef tüftelte der Gymnasiallehrer an seiner A-Trainerlizenz. "Das ist sehr intensiv und geht immer den ganzen Tag bis weit in die Nacht." Den Saisonstart hingegen sieht er gelassen: "Prickelnd war der nicht, aber wir können das einordnen." In Herrenberg und Zwickau hat die HSG bereits gegen zwei Topteams gespielt.

"Mit der spielerischen Entwicklung bin ich derzeit zufrieden", sagt Wiggenhauser. In Defensive und Offensive sieht der angehende A-Trainer große Fortschritte. Auch das Tempo sei schneller geworden und man habe sich an das Niveau der 2. Bundesliga gewöhnt. Zu mehr als guten Phasen hat das bisher allerdings noch nicht gereicht. "Da haben wir noch zu viel Leerlauf und das kostet uns auch Siege", gesteht Wiggenhauser.

Die größte Baustelle: "Individuell müssen wir uns schon sehr strecken, um mitzuhalten." Wiggenhauser versucht daher, ganz bewusst die mannschaftliche Komponente in den Vordergrund zu stellen. Genügend Anreize dürfte er aus Hennef mitgenommen haben. Die Fortbildung kam zur rechten Zeit. Um den Klassenerhalt zu sichern, müssen die Red Sparrows alle Potentiale ausschöpfen.