Auf verschlungenen Wegen immer dem Chorgesang nach

Silke Hartenstein

Von Silke Hartenstein

Mi, 02. Oktober 2019

Bad Bellingen

Beim fünften Ettenbühler Chorfestival präsentieren 17 Chöre von Basel bis Freiburg in vielen Sprachen und Stilen die große Vielfalt des Chorgesangs / Viele Zuhörer.

BAD BELLINGEN-HERTINGEN. "Thank you for the music" schallt es durch die Gartenanlagen des Landhauses Ettenbühl in Hertingen. Welcher Chor gerade den Abba-Hit singt, ist beim Flanieren durch den weitläufigen Park nicht genau zu verorten, doch das Lied passt bestens zum fünften Ettenbühler Chorfestival. 17 Chöre von Basel bis Freiburg präsentieren in vielen Sprachen und Stilen die Vielfalt des Chorgesangs. Auch das Wetter spielt mit an diesem Altweibersommertag.

Gerade lässt die Sonne die farbenfrohen Trachten der Sänger und Sängerinnen des russischen Chores Echo aufleuchten. Sie begeistern ihre vielen Zuhörer mit mal temperamentvollen, mal melancholischen russischen Volksliedern und schönen Tanzeinlagen. Den Mitgliedern des 1997 gegründeten Lörracher Chors bringt das gemeinsame Singen ein Stück ihrer früheren Heimat zurück – oder es verbindet alte und neue Heimat, so wie bei Andreas Lehmann. "Ich bin wohl der einzige Sänger heute, der in zwei Chören singt", sagt er. Durch seine Ehefrau kam er zum russischen Chor, zudem gehört er zur Chorgemeinschaft Bad Bellingen, die um 11 Uhr das Chorfestival eröffnet hat.

32 Auftritte von 17 Chören an drei Standorten folgen. Die Auftrittsorte Wassergarten, Pavillon und Magnolienwiese sind gut gewählt. Sie liegen so weit auseinander, dass jeder Chor für sich allein zu hören ist und verlocken zugleich die Besucher beim Gang von hier nach dort zu Abstechern entlang der verschlungenen Wege und hinein in die einzelnen "Gartenzimmer". Unter einem Baum im englischen Park singt sich gerade der Kinder- und Jugendchor Kirchhofen ein, bald darauf präsentieren die Teenager aktuelle Popsongs und geben den vier Jüngsten aus ihren Reihen eine eigene Plattform mit dem Lied "Teddybär ist krank". Auch hier füllen sich die Sitzreihen mit immer mehr Zuhörern, die die Quelle des Gesangs gesucht und gefunden haben.

"Sie haben wesentlich mehr Sitzgelegenheiten aufgestellt als letztes Jahr", fällt Maria Müller vom Efringen-Kirchener Chor Salt ’n’ Light auf. Überhaupt ist sie mit der Organisation seitens des Veranstalters zufrieden: "Es läuft gut." Im vergangenen Februar habe sie mit den Vorbereitungen für das Chorfestival begonnen, erzählt dessen Organisatorin Karin John und freut sich über den guten Zuspruch: "Ich bin zufrieden."

Derweil schwärmt Sängerin Martha Eberhart von der Atmosphäre: "Die Blumen, das Grün – einfach schön." Schön findet es auch ein Zuhörer aus Badenweiler: "Ich bin zum dritten Mal hier." Tatsächlich macht der Gesang im Grünen etwas mit den Besuchern: Der Schritt wird unwillkürlich gemächlicher, die Mienen werden entspannter. Dass Singen nicht nur der Entspannung dient, zeigt die Anmoderation von Chorleiter Roland Pfeiffer, der an die Widerstandsgruppe Weiße Rose erinnert: "Wir sollten wieder ein Stück zusammenrücken gegen die braune Vergangenheit." Sodann widmet sich der Lörracher Chor AufTakt mit "Weiße Rosen" dem Widerstand gegen Rechts. Ein Stück weiter erklingt deutschsprachiger Chorgesang von der Sängervereinigung Müllheim. Ob Traditionschor oder junge Formation, ob Gospel, Soul, Pop, Volks- oder Kirchenlied: Zum bewegenden Höhe- und Schlusspunkt vereinen hunderte Sänger unter Rainer Pachners Leitung die Kraft ihrer Stimmen zum Kanon "Dona nobis pacem". Und als hätte Petrus ein Faible für Gesang, setzt erst danach der Regen ein.