Aufruf zur Ächtung von Atomwaffen

Barbara Puppe

Von Barbara Puppe

Sa, 08. August 2020

Offenburg

75 Jahre Hiroshima: Lesung und Musik in der Auferstehungskirche / Appell an Gemeinderat.

. Ein Plädoyer für Frieden und Achtung vor dem Leben war die Lesung mit musikalischer Orgelbegleitung am Donnerstag in der Auferstehungskirche anlässlich des 75. Jahrestags von Hiroshima. "Worte und Musik für den Frieden" erinnerten an die Opfer des Atombombenabwurfes, der Tod, Zerstörung und unsägliches Leid ausgelöst hat. Die Veranstaltung der Deutschen Friedensgesellschaft Mittelbaden (DFG-VK) mahnte zur Ehrfurcht vor dem Leben und forderte nukleare Abrüstung. "Waffen überall, Eisen, Witwen und Waisen, Terror und Mord – Leichen, nicht zu erreichen durch irgendein Wort", schilderte die Studentin Emma Stacey als eine von vier Vortragenden das Kriegsgrauen in ihrem Wortbeitrag aus "Ohne Krieg" von Georg Kreisler. Eine "Welt ohne Krieg" aber nennt man auch Zukunftsmusik, schreibt der Autor pragmatisch, denn er weiß: "Der Friede auf Erden bringt immer Beschwerden", doch das, so appelliert er an die Menschheit, "heißt noch lange nicht Krieg." Bezirkskantor Traugott Fünfgeld spielte zwei Orgelwerke von Bach und Mendelssohn Bartholdy. Werke, die auch der evangelische Theologe Albert Schweitzer bei seinem Konzert in der Offenburger Stadtkirche im Oktober 1929 gespielt hat. "Töne des Friedens" sind ihm zum Motto geworden und prägen Fünfgelds musikalische Arbeit. Er verbindet sie mit Schweitzers "Ehrfurcht vor dem Leben". Von der anwachsenden Zahl an Liedern, die er in den letzten zwei Jahren zu Texten komponiert hat, erklangen am Donnerstag "Lasst die Musik in euch klingen" (Text Eckart Bücken) und als Uraufführung "Töne des Friedens hören wir", getextet von Pfarrer Norbert Großklaus.

Constanze Armbrecht, Leiterin der VHS Offenburg, las Texte von Gordon Summer, Marie-Luise Kaschnitz und von Andrea Gibson, die das "Ja" zum Leben preist und schreibt: "Schlag all deine Saiten an, spiel jeden Akkord, leg nicht eine Sekunde lang dem Trommeln deines Herzens Zügel an, spiel, als fiele unsre letze Chance zu überleben, wenn du’s nicht versuchst." Die Kurzgeschichte "An diesem Dienstag" von Wolfgang Borchert trug Edgar Common, Leiter des Kulturbüros, vor. "Der Krieg hat viele Dienstage", erzählt der Autor darin, an einem dieser Dienstage saßen die Schulmädchen vor der schwarzen Tafel und schrieben: "Im Krieg sind alle Väter Soldat."

Silvia Goics, Journalistin und Autorin, las aus "Die Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben" von Albert Schweitzer. Grundlegend die Aussage: "Gut ist: Leben erhalten und Leben fördern. Böse ist Leben vernichten und Leben hemmen." Goices schloss mit dem bekannten Gedanken des Urwaldarztes, Philosophen und Pazifisten, den er als Mittelpunkt seiner Ethik formulierte: "Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das leben will."

Auch 75 Jahre nach den Bombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki sind Atomwaffen noch immer nicht verboten, jeder Einsatz von nuklearen Waffen würde katastrophale, weitreichende und langanhaltende Folgen für Mensch und Umwelt haben, so Ernst Rattinger, der zusammen mit Wolfgang Eberhardt, beide Deutsche Friedensgesellschaft, die Veranstaltung moderierte. Im Juli 2017 verabschiedeten die Vereinten Nationen den Vertrag zum Verbot von Kernwaffen, der seitdem von über 80 Nationen unterzeichnet und von 35 ratifiziert wurde.

Die Bundesrepublik hält jedoch an der atomaren Abschreckungspolitik fest. Die Deutsche Friedensgesellschaft fordert die Bundesregierung auf, dem Vertrag beizutreten. Sie unterstützt auch ICAN, die Trägerin des Friedensnobelpreises 2017.
ICAN setzt sich dafür ein, Atomwaffen zu ächten. Mehrere Bundesländer, Landkreise und über 90 Städte in Deutschland unterstützen die Kampagne, darunter Lahr, Freiburg, Heilbronn, Karlsruhe Stuttgart und Tübingen. Auch Offenburg soll den Städteappell unterzeichnen, fordern die Veranstalter des Leseabends. Ein entsprechender Antrag wurde Anfang des Jahres von der Grünen-Fraktion gestellt, im Herbst soll darüber laut Ernst Rattinger im Gemeinderat beraten werden.