Epiphanias-Fest

Aus den Weisen wurden in der frühen Kirchengeschichte drei Könige

Dorothea Scherle

Von Dorothea Scherle (Waldkirch)

Mi, 13. Januar 2021

Leserbriefe

Zu: "Im Windschatten von Weihnachten", Beitrag von Boris Burkhardt (Kultur, 5. Januar)

Mit einer gewissen Verwunderung habe ich als katholische Theologin die verschiedenen Versuche der evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer gelesen, dem Epiphanias-Fest einen Sinn abzugewinnen. Das Fest hat mit dem Erscheinen der Weisen vor dem Jesuskind einen biblischen Ursprung (Matthäus-Evangelium). Das kommt dem Sola-scriptura-Prinzip Martin Luthers (die Schrift allein) entgegen. Im griechischen Text werden die zahlenmäßig nicht eingeführten Männer "magoi" genannt, was in den verschiedenen Bibelübersetzungen mit "Weise" oder "Sterndeuter" übertragen wird.

Wegen der drei königlichen Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe und Bezügen zu alttestamentlichen Schriftstellen wurden aus den Weisen im Lauf der frühen Kirchengeschichte drei Könige. Dem muss man nicht folgen. Der Sinn des Fests ist ein einfacher und beruht nicht auf der Annahme, dass es sich bei der Geschichte um historische Ereignisse handeln würde. Der Sinn ist theologischer Natur. Auf den ersten Blick sieht es wie eine Verlängerung der Weihnachtsgeschichte aus. Daran zu glauben, dass ein Säugling Gott ist. Weiter geht es darum, klein zu werden, im Glauben an die Größe des Neugeborenen niederzuknien und freigiebig Kostbares zu schenken. Natürlich verstärkt sich die Aussage, wenn nicht Weise, sondern Könige niederknien, also nicht die Weisheit oder Klugheit sich vor Gott verbeugt, sondern die Macht.

Weisheit oder Macht knien nieder. Dieses Thema wird immer aktuell bleiben. Das Gegenbeispiel ist ein Präsident, dem kein Mittel zu dumm ist, um an der Macht zu bleiben. Dorothea Scherle, Waldkirch