Corona-Folge

Aus für das Schulprojekt im Heitersheimer Schloss

hub/sh

Von Alexander Huber & Simone Höhl

Do, 22. April 2021 um 19:05 Uhr

Heitersheim

Nach Streit und Bürgerentscheid: Das Vorhaben einer internationalen Schule in Heitersheims Malteserschloss ist geplatzt. Das erklärten Investoren und Schlosseigentümerinnen.

Als Hauptgrund nannten Christian Hodeige, Sprecher der Investorengruppe für die Schule, und Peter Schmieg für die Schlosseigentümerinnen am Donnerstagabend in einem gemeinsamen Pressegespräch die Corona-Pandemie. Diese bremste das Heitersheimer Projekt aus und beeinträchtigte die Lage internationaler Internatsschulen insgesamt – mit womöglich schwer wiegenden Folgen für die Zukunft, wie Hodeige erklärte.

Der frühere BZ-Verleger wollte mit Partnern aus China eine internationale Privatschule nach dem Vorbild der United World Colleges aufbauen, deren deutsche Niederlassung in Freiburg ist. Der Schlossstandort in Heitersheim wäre ideal gewesen, wie Hodeige am Donnerstag noch einmal versicherte.

"Wir sind mehr als betroffen, weil der Orden voll hinter dem Projekt stand." Peter Schmieg, Ordenssprecher
Doch die Pandemie hat auch für die Partner in China, die dort Schulträger sind, einschneidende Folgen gehabt: Sie mussten ihre Einrichtungen bei laufenden Kosten schließen. "Die Frage, auf welcher organisatorischen und finanziellen Basis das alles weitergehen soll, ist derzeit völlig offen", so Hodeige.

Zudem hätte noch großer Abstimmungsbedarf bezüglich eines Anbaus bestanden, der nötig gewesen wäre, um die geplante Zahl von 300 Schülerinnen und Schülern unterzubringen.

Corona verursacht Zeitverzug

"Mit dem Zeitplan waren wir aufgrund von Corona schon jetzt rund 15 Monate hintendran. Viele ganz grundlegende Entscheidungen waren noch gar nicht getroffen", erklärte Hodeige. Auch aufgrund der weiterhin in Teilen der Heitersheimer Lokalpolitik bestehenden Skepsis gegenüber dem Projekt seien für das Vorhaben weitere Verzögerungen zu erwarten gewesen.

Hinzu komme eine politische Großwetterlage, die ein solches Projekt nicht gerade fördere, "und die von der Bürgerinitiative gegen die Schule im Schloss unseriös instrumentalisiert wurde", erklärten Hodeige und Schmieg in ihrer Stellungnahme. Das Vorgehen der BI Malteserschloss auch über den Bürgerentscheid hinaus, der zugunsten der Schule ausfiel, habe Spuren hinterlassen und werfe die Frage auf, wie denn die künftigen Schüler tatsächlich in Heitersheim aufgenommen worden wären – "Stichwort: Willkommenskultur".

Peter Schmieg, der Baudirektor des Vinzentinerinnenordens, erklärte: "Wir sind von der Entscheidung mehr als betroffen, weil der Orden voll hinter dem Projekt stand." Man habe aber Verständnis: Die Folgen der Pandemie ließen sich nicht wegdiskutieren. Die Schwestern werden dennoch wie geplant das Malteserschloss Ende 2022 oder Anfang 2023 verlassen.
Hintergrund

Das Malteserschloss am Ortsrand von Heitersheim gehört dem Orden der Barmherzigen Schwestern des Heiligen Vinzenz von Paul in Freiburg. Dieser will das Schloss seit längerer Zeit verkaufen. Privatinvestoren um Christian Hodeige und chinesische Partner wollen im Schloss eine internationale Privatschule errichten, wie im März 2019 bekannt wurde. Die Bürgerinitiative Malteserschloss sprach sich bald schon für eine öffentliche Nutzung des Schlosses aus. Der Gemeinderat verhinderte die Privatschulpläne mit einem Beschluss im Oktober 2019. Der Verein Schule im Schloss setzte durch, dass am 2. Februar ein Bürgerentscheid stattfand. Die Bürger sollten entscheiden, ob der Ratsbeschluss vom Oktober aufgehoben werden und die Stadt Heitersheim mit den Investoren einen städtebaulichen Vertrag abschließen sollte, der die Privatschule möglich macht. Die Mehrheit der Wähler (55 Prozent) stimmte mit "Ja" und sagte somit "Ja zur Privatschule".