Aus Not Tugend machen

Jakob Schönhagen

Von Jakob Schönhagen

So, 05. Juli 2020

USC Eisvögel

Den Erstliga-Basketballerinnen des USC Freiburg fehlen 150.000 Euro im Saisonbudget.

Den Erstligabasketballerinnen des USC Freiburg fehlen aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage wegen der Corona-Pandemie rund 150.000 Euro. Dadurch steht zwar das gesamte Bundesliga-Projekt der Eisvögel auf dem Prüfstand, die Jugendarbeit aber floriert wie selten zuvor.

Seit knapp zwei Jahrzehnten ist der Gymnasiallehrer Harald Janson der Kopf hinter dem Basketball-Bundesligaprojekt des USC Freiburg. Der 50-Jährige hat in dieser Zeit eine ganze Menge erlebt. Doch in diesem Sommer ist alles anders.

"Wir werden ins Risiko gehen müssen", sagt Janson. "Wir haben Unklarheiten und offene Posten in unserem Etat von 150.000 Euro. Das macht uns große Sorgen." Damit ist gut die Hälfte des Saisonbudgets aktuell noch nicht gedeckt. Das heißt zwar keineswegs, dass die 150.000 Euro am Ende der Saison auch wirklich fehlen werden. Aber noch ist nicht geklärt, ob aktuelle oder potentiell neue Sponsoren die große Lücke noch schließen werden.

"Wir müssen einen Kader planen, ohne zu wissen, wie viel Sponsoreneinnahmen wir noch erhalten und ob wir alle Posten abdecken können", sagt Janson. Das habe es bei den Eisvögeln noch nie gegeben. Und stellt den Sportchef vor eine knifflige Aufgabe. Denn durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie sind die Sponsoren aktuell nicht in der Lage, feste Zusagen zu geben. Gleichzeitig aber muss Janson einen Kader zusammenstellen, mit dem er Mitte Oktober konkurrenzfähig in die Liga starten kann.

"Es wird eine sehr taffe Saison werden", vermutet Trainerin Hanna Ballhaus. Aufgrund der offenen finanziellen Posten werden die Eisvögel nur mit drei, anstatt wie bisher vier ausländischen Profispielerinnen in die Spielzeit gehen. "Damit gehören wir zur absoluten Ausnahme in der Liga", sagt Ballhaus.

Aus der finanziellen Not wollen die Eisvögel eine Tugend machen. "Wir haben uns entschieden, die Verjüngung des Kaders konsequent weiterzuführen", sagt die Trainerin. Neuzugänge kommen aus der eigenen Jugend: Sophie Quedraogo (18 Jahre), die Schwester von Vize-Kapitänin Lea Quedraogo, sowie die gerade einmal 14 Jahre alte Paula Paradzik, deren Vater einst für die Erstliga-Männer in Freiburg Körbe warf. Aus Ludwigsburg stößt das 17-jährige Talent Maria Konstantinidou in den Breisgau.

Demgegenüber stehen Abgänge, die große Lücken hinterlassen. Christina Zehender, Viktoria Wieczorek und Leonie Kambach spielen kommendes Jahr nicht mehr fürs Bundesliga-Team. Genauso wie Routinier Mirna Paunovic und die hochveranlagte Eisvögel-Spielführerin Luana Rodefeld, die im Ausland ihren nächsten Karriereschritt gehen will. "Dadurch werden wir vermutlich das jüngste Team der Liga stellen", erklärt Trainerin Ballhaus. Die zehn deutschen Spielerinnen, mit denen die Eisvögel planen, sind im Schnitt gerade einmal 18,5 Jahre alt. "Und auch auf den ausländischen Positionen werden wir sehr junge Profis verpflichten."

"Das rein sportliche Ziel kann da nur der Klassenerhalt sein", findet die Trainerin, für die ohnehin anderes im Vordergrund steht: Das Programm voran bringen, die Jugendarbeit ausbauen und jungen Spielerinnen eine Entwicklungschance auf Bundesliganiveau bieten. Die Ziele der Eisvögel sind eher struktureller Natur. Der sportliche Leiter sieht das ähnlich. Doch ihn treiben zusätzlich eben ganz fundamentale Sorgen um.

"Wir haben als Vorstand zugesichert, dass wir im Falle dessen, dass wir die nötigen 150.000 Euro nicht durch Sponsoreneinnahmen abdecken können, den Fehlbetrag einmalig auffangen werden", sagt Janson. Er betont aber auch: "Das wäre dann aber in jedem Fall das Ende von Erstligabasketball in Freiburg. Einen Konkurs wird es mit uns nicht geben." Auch wenn er sich dabei eigentlich so anhört wie immer: Für Harald Janson und seine Eisvögel wird der Corona-Sommer und die kommende Saison eine wegweisende Zeit.