Kapellenbach-Ost

Ausgrabungsstätte lockt Römer-Fans nach Grenzach-Wyhlen

Horatio Gollin

Von Horatio Gollin

So, 12. September 2021 um 18:59 Uhr

Grenzach-Wyhlen

Im Neubaugebiet Kapellenbach-Ost wurden Funde aus der Römerzeit gemacht. Die Ausgrabungen haben zwar die Erschließung des Baugebiets verzögern, begeistern aber Geschichtsinteressierte.

Am Tag des offenen Denkmals können Denkmale besichtigt werden, die normalerweise der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. In Grenzach-Wyhlen bot das Landesamt für Denkmalpflege Führungen über die Ausgrabungsstätte im künftigen Baugebiet Kapellenbach-Ost an. Dort waren bei Sondierungen Anfang des Jahres römische Mauerreste gefunden worden, weshalb sich die Erschließung von zwei Hektar des 14 Hektar großen Baugebiets um mehrere Monate verzögert. Das Interesse an den Funden war groß. Schon zur ersten Führung drängten sich am Einlass so viele Besucher, dass sie in drei Gruppen aufgeteilt werden musste.

Drei Gebäude, ein Brunnen und ein Keller entdeckt

Bei den Sondierungen waren drei große Gebäude, ein Brunnen und ein Keller entdeckt worden, erklärte Gertrude Kuhnle, die Gebietsreferentin beim Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Freiburg. Der Brunnen, der Keller und die Mauerreste eines Gebäudes hatten schon die Grabungsfirma ArchaeoTask freigelegt. Jenseits des Rheins lebten vor 2000 Jahren in Augusta Raurica 15.000 Menschen, daher könnten die Mauerreste Teil eines Gutshofs zur Versorgung der Stadt gewesen sein, sagte Kuhnle.

Damals führte aber auch eine bislang nicht lokalisierte Römerstraße durch das Gebiet, weshalb es sich auch um eine Straßenstation handeln könnte. Als sicher gilt aber, dass die Gebäudereste aus dem ersten Jahrhundert nach Christus stammen. Kuhnle führte aus, dass Augusta Raurica damals seine Blütezeit hatte und die Holzbauweise durch Steinbauweise abgelöst wurde. Bei den Funden in Wyhlen handelt es sich ebenfalls um Steinbauweise.

Die Tiefe des Brunnens ist nicht bekannt, erklärte Hans Jürgen Wiedemann vom Landesamt. Irgendwie sei die Angabe von fünf Metern wegen des Grundwasserspiegels aufgekommen, meinte er. Das sei aber nicht sicher, zudem liegt der Grundwasserspiegel heute höher als vor 2000 Jahren. Besonders spannend für die Archäologie sei, was am Grunde des Brunnens liegen könnte, da erfahrungsgemäß immer irgendetwas in Brunnen fällt und dort gut erhalten bleibt. "Deswegen werden wir versuchen, ihn bis zum Grund abzugraben", sagte Wiedemann. Der Brunnen soll zudem als Baudenkmal erhalten bleiben. Über den jetzigen Standort wird die Erschließungsstraße verlaufen, weshalb er abgebaut und in einer Grünanlage des Wohngebiets wieder aufgebaut werden soll.

Keller ist das Schmuckstück der Ausgrabungen

Den freigelegten Keller bezeichnete Wiedemann als Schmuckstück der Ausgrabung. Dort erwartete Diethard Tschocke vom Landesamt die Besucher. Tschocke erklärte, dass es für den Keller zwei Möglichkeiten gibt. Entweder entspricht er dem Grundriss des darüber stehenden Gebäudes oder es stand ein größeres Gebäude darüber, dass in Holzbauweise errichtet war und heute nicht mehr zu erkennen ist.

Der Keller selbst entspreche "dem gehobenen Segment", sagte Tschocke. Oft seien Keller aus der Römerzeit deutlich kleiner. Aufgrund der Erdfeuchte hatte er ein gut geeignetes Klima, um Lebensmittel aufzubewahren. Da die Erschließungsstraße auch über den Keller führt, kann dieser nicht erhalten bleiben, erklärte Tschocke auf die Frage eines Teilnehmers. Zudem sei es auch schwierig, ihn zu erhalten, da die Kalksteine nicht wetterfest seien.

Ausgrabungsleiterin Carina Danner von der Firma ArchaeoTask präsentierte zahlreiche Keramikscherben, Ziegel, ein Webgewicht und Amphorenreste. Das Glanzstück der Funde war eine Fibel aus Bronze. Die Fundstücke werden zunächst zum Landesamt für Denkmalpflege gebracht, wo sie nach Möglichkeit restauriert werden, bevor sie zum Zentralarchiv in Rastatt gebracht werden.

Auch interessante Fundstücke aus jüngerer Zeit wie etwa eine Musketenkugel haben die Archäologen gefunden. Von dem zwei Hektar großen Ausgrabungsgebiet ist die Hälfte geöffnet worden. Danner erklärte, dass es das Ziel sei, die Ausgrabung bis Februar 2022 abzuschließen. Sollte es allerdings weitere Funde geben, könnte sich das verzögern. "Archäologie ist unberechenbar", meinte Danner.
Das Regionalmuseum Römervilla an der Hauptstraße in Grenzach bietet einen Einblick in die Zeit der Römer. Das Museum hat noch bis 1. November geöffnet, immer sonntags von 15 bis 18 Uhr.