Als die Sympathie zerbrach

Von Barbara Breuer

Von Von Barbara Breuer

Sa, 16. August 2008

Ausland

BZ-gespräch mit dem tschechischen Historiker Jan Kren über das Erwachen, das Wesen und das Scheitern des "Prager Frühlings" / Von Barbara Breuer

m 21 August 1968, rollten russische Panzer durch die damalige Tschechoslowakei. Sie zerschlugen den unter Parteichef Alexander Dubcek unternommenen Versuch, einen "Sozialismus mit menschlichem Antlitz" zu schaffen. Einer der Reformer war der Historiker Jan Kren. Mit dem 77-Jährigen sprach Barbara Breuer.

Vor 40 Jahren, a
BZ: Herr Kren, Sie wurden 1930 in Prag als Sohn eines Arbeiters geboren. Wie wurden Sie Kommunist?
Jan Kren: In unserer Familie wurde so gedacht. Außerdem hatte ich in jungen Jahren viel Elend erlebt, etwa die schlimmen Folgen von Arbeitslosigkeit und auch die deutsche Besatzung. Das alles hat bei mir zu der Vorstellung geführt, dass sich die Verhältnisse nach dem Krieg ändern müssen. Als ich dann studiert habe, erreichte der Stalinismus seinen schrecklichen Höhepunkt. Aber ich war noch zu jung, um mir das einzugestehen.

BZ: Anfang der 1960er Jahre geriet die CSSR in eine tiefe ökonomische und gesellschaftliche Krise: Woher kamen 1963, auf ihrem Höhepunkt, die reformerischen Stimmen?
Kren: Ich glaube, Lenin hat einmal gesagt, eine revolutionäre Situation entsteht, wenn die oben nicht können und die unten nicht wollen. In der Tschechoslowakei war die Situation nur teilweise so. Die Führung konnte und wollte die politischen Prozesse nicht revidieren, und die Wirtschaftspolitik war erfolglos. Gleichzeitig gab es in der Partei eine schnell wachsende Gruppe, die Reformen wollte. Für die Bevölkerung kam ein Regierungssturz nicht in Frage. Auch 1968 wünschte sich ein Großteil der Menschen eine Reform des Sozialismus – nicht seine Abschaffung.

BZ: Wurde der "Prager Frühling" von den 68er-Bewegungen im Westen ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 5 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ