Atommüll

Im französischen Dorf Bure löst die Endlager-Frage kriegsähnliche Zustände aus

Fabian Federl

Von Fabian Federl

So, 02. Juni 2019 um 13:30 Uhr

Ausland

BZ-Plus Europas Atombehörden schauen ganz genau nach Frankreich, denn 2030 soll das Atommüll-Endlager in Bure in Betrieb gehen. Mit dem Frieden ist es vorbei, schon jetzt ist das kleine lothringische Dorf im Kriegszustand.

Es ist an einem Morgen im Juni 2017, als Michel Maltrud kurz nach sechs Uhr ein Rumpeln in der Küche seines Hotels hört. Im nächsten Moment splittert Glas. Ein lautes Zischen. Maltrud – 69 Jahre alt, weiße Haare und rote Wangen – öffnet seine Bürotür, sieht am Ende des Ganges sechs Männer, maskiert, zwei von ihnen mit Baseballschlägern.
"Die glauben, dass wir zur Atombehörde gehören" Michael Maltrud Sie bemerken ihn, Maltrud schließt die Tür und drückt sich dagegen. An der Wand lehnt sein Jagdgewehr. Er überlegt kurz, dann nimmt er stattdessen den Feuerlöscher, entsichert ihn, stößt die Tür auf. Die Einbrecher sind weg. Aus der Küchentür steigen meterhohe Flammen in den Gang, am Boden liegen Ölflaschen. Auf der Flucht schmieren die Einbrecher Strahlenwarnzeichen auf Schilder mit der Aufschrift "Technologiepark Andra" und schmeißen die Fenster eines Nebengebäudes ein. Dann verschwinden sie ins "Haus des Widerstands", eine alte Scheune mitten im Dorf.
"Die glauben, dass wir zur Atombehörde gehören", sagt Michel Maltrud ein halbes Jahr später, als er von dem Vorfall erzählt. Er steht vor den Brandspuren, tappt mit dem Schuh neben das noch immer verkohlte Parkett, zeigt auf die notdürftig wiederhergestellten Fenster. Die Reparaturen ...

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