Ogoniland

Öl-Förderung in Nigeria: Verschmierte Heimat

Johannes Dieterich

Von Johannes Dieterich

Fr, 03. Dezember 2010

Ausland

Tote Fische, tote Bäume, tote Umwelt: Das Öl hat den Einwohnern im nigerianischen Ogoniland viel genommen, aber fast nichts gegeben

Celestine Akpobari meint es gut mit uns. "Plagt Euch nicht", versucht der Ökoaktivist die Journalisten zu beruhigen: "Ihr werdet heute noch genug Ölschlamm vor die Kameralinse kriegen." Mitleidig hat der 37-jährige Nigerianer unsere Bemühungen verfolgt, einen bis zur Brust im regenbogenfarben leuchtenden Wasser watenden Jungen abzulichten. Was er nicht sagt: Wer statt hübscher, bunter Bilder die Wahrheit fotografieren möchte, sollte ohnehin unterhalb der Gewässeroberfläche suchen. Dort wabern dicke, braune Rohölschwaden durch den Bodo-Jetty-Fluss. Und das Öl und der giftige Schlamm haben dort ohnehin fast alles erstickt, was einst ein Foto wert gewesen wäre.

Früher habe sie hier jeden Tag eimerweise Garnelen gesammelt, erzählt Esther Badom, die wir am Ufer treffen. Inzwischen sei das träge fließende Gewässer jedoch vollkommen tot. Seitdem vor fünf Jahren eine geborstene Rohrleitung Unmengen Rohöl in das riesige Feuchtgebiet ausgegossen hat, muss sich die 21-Jährige mit dem Verkauf von Tickets für die Fähre zur benachbarten Insel Bonny über Wasser halten. Statt der früher üblichen 150 Dollar hat sie seitdem jeden Monat höchstens 50 Dollar in der Tasche.

Fischer aus dem nahe gelegenen Städtchen Bodo, die an ihrem ursprünglichen Beruf festhalten, müssen heute sechs Stunden lange Ruderfahrten zurücklegen, um überhaupt noch in fischhaltige Gewässer zu gelangen: Das im Herzen des Niger-Deltas gelegene Ogoniland gilt unter Experten als eine ...

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