Reportage

Ruanda: Gesellschaftliche Folgen des Genozids

Frauke Wolter

Von Frauke Wolter

Sa, 15. März 2014 um 00:00 Uhr

Ausland

Ein Genozid, der alles veränderte: 20 Jahre nach dem Völkermord in Ruanda bemühen sich die Menschen um Versöhnung. Doch es bleibt die Furcht vor der Rückkehr des Hasses.

Nackte, graue Betonblocks, ohne Namen, ohne Schmuck. Eines der Steinfelder ist mit einer Sichtblende aus Glas versehen. Drinnen Särge, dicht an dicht. Drei bis vier Familien liegen in einem Sarg. Jeweils etwa 11000 Menschen sind unter einem Steinfeld aufgebahrt. Es ist ganz still hier, eine Familie hat einen Blumenstock abgelegt. "Never again Genocide" steht auf der Schärpe. 20 Jahre ist der Genozid in Ruanda jetzt her. Noch immer werden die Überreste von getöteten Menschen gefunden und unter anderem im "Genocide Memorial Center" in der Hauptstadt Kigali begraben.

1994 starben in nur 100 Tagen fast eine Million Menschen. Die große Mehrzahl von ihnen waren Tutsi, abgeschlachtet von Hutu. Die beiden Bevölkerungsgruppen trennt wenig – sie haben die gleiche Kultur, die gleiche Sprache, die gleiche Religion.

Und trotzdem war gegen die Minderheit der Tutsi seit Jahrzehnten unbändiger Hass geschürt worden: von den belgischen Kolonialherren, später von der faschistoiden Hutu-Regierung, von staatlich gelenkten Medien. Am 6. April wurde der Hutu-Präsident Juvénal Habyarimana bei einem Angriff auf sein Flugzeug getötet. Das war der Auslöser für das wochenlange Morden, für Folter, Vergewaltigung, Zerstörung. Im Juli 1994 beendete die Rebellengruppe Ruandische Patriotische Front (RPF) unter dem Tutsi Paul Kagame das Gemetzel.

Bis heute beherrscht der Genozid die Geschicke aller. Das Land ist klein (vergleichbar mit Brandenburg) und dicht besiedelt, in den Dörfern können sich Opfer- und Täterfamilien nicht aus dem Weg gehen. Wie lebt man hier Versöhnung? Wie kann man derartige Grausamkeiten vergeben und dennoch der Gerechtigkeit Genüge tun? Und wie kann man mit dieser Geschichte gemeinsam einen Staat wieder aufbauen?

DIE JUGEND
"In Ruanda kennt jeder jemanden, der jemanden kennt", sagt Sophie. Man wisse daher sofort, ob zum Beispiel einer in der Disco Tutsi oder Hutu ist, auch wenn es keine äußeren Merkmale ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 10 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 10 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ