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Stadt der Toten

Die Schlacht um Mossul geht zu Ende, das Sterben nicht

Überlebende des IS-Terrors irren auf der Suche nach Wasser, Nahrung und Ärzten durch den Schutt: Mossul ist zerstört, die Schlacht beendet. Das Sterben geht aber weiter.

  • Die zerstörte Altstadt von Mossul am 7. Juli 2017 Foto: DPA/REHMANN

Emad Tamos Stirn ist von Falten durchzogen. Die Augen versinken in den Höhlen. Ein Kind mit einem Totenkopf und einem Leib aus Knochen und Haut. Irakische Soldaten schütten Wasser über den Jungen, um den Staub abzuwaschen. Einer schneidet ihm die von Schmutz verfilzten Haare. "Habibi", Liebling, flüstert der Schiit dem Jesiden ins Ohr. Er lässt jede Strähne wie ein zärtlicher Vater durch seine Finger gleiten. Da stehen die Soldaten um das verhungernde Kind herum. Sie haben eine der härtesten Schlachten des 21. Jahrhunderts überlebt und sehen aus, als würden sie die Welt nicht mehr verstehen.

Marino Andolina von der deutschen Hilfsorganisation Cadus hat an diesem Tag schon zwei andere Kinder in Empfang genommen. Ein arabisch-sunnitisches Mädchen, acht Jahre alt, und einen zehnjährigen Kurden. "Sind sie schmutzig und am Verhungern, bedeutet das immer IS", sagt der italienische Kinderarzt. Die Kinder kommen aus der Altstadt von Mossul. Es ist der Teil der zerstörten Millionenstadt, aus dem der IS noch nicht vertrieben ist. Die Kämpfer der Terrormiliz haben vor Wochen die Türen der Häuser zugeschweißt, um die Einwohner als menschliche Schutzschilde den Bomben auszuliefern. So sollten die Luftangriffe der irakischen Armee und der Anti-IS-Koalition den Kampf in ein Blutbad verwandeln. Die Druckwellen der Detonationen sorgten dafür, dass Wände einstürzten und einige der Eingemauerten entkommen konnten.

Kinder ließen die Leichen ihrer Kinder zurück
Sie suchten in den Trümmern ein Versteck vor den Bomben und den Heckenschützen des IS. Die Mütter und Väter verzichteten oft auf das Gras oder die verdorbenen Lebensmittel, die sie nachts sammelten und das Wasser, das aus lecken Leitungen tropfte. Sie gaben ihren Kindern alles, was ess- oder trinkbar ist. Als in der ersten Juliwoche die IS-Kämpfer aus weiten Teilen der Altstadt verschwanden, krochen die Kinder aus den Verstecken und ließen die ...

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