Therapie in Teheran

Wie der Iran mit der Drogensucht im Land umgeht

Martin Gehlen

Von Martin Gehlen

Fr, 09. September 2016 um 00:00 Uhr

Ausland

Im Land der vielen Junkies: Die Zahl der Drogensüchtigen ist im Iran eine der höchsten auf der Welt. Früher wurden sie hingerichtet, heute bekommen sie Methadon.

Der Optimismus von Mohammad Eshaghi wirkt unerschütterlich. Wie eine Säule steht der Doktor mit seinem weißen Kittel und schwarzen Schnäuzer in dem kleinen Versammlungsraum, lächelt, gestikuliert und redet. Die acht Männer an den Wänden hängen an seinen Lippen, einige krank und ausgemergelt, andere kräftig und robust. Alle verbindet das gleiche Lebensthema, sie ringen mit ihrer Drogensucht und brauchen Hilfe. "Dass ich noch am Leben bin, verdanke ich Allah und Doktor Eshaghi", sagt einer, während die anderen nicken. Für sie ist der 47-Jährige ihre wichtigste Stütze auf Erden. Jede Woche übt er mit ihnen die Lebenskunst, mit der eigenen Krankheit besser umzugehen, das Suchtmilieu zu meiden und sich bei Rückfällen nicht selbst zu verteufeln. 90 Minuten dauert an diesem Montag das Abendprogramm in der Suchtambulanz an der Avenue Golbarg im Osten Teherans. Das Therapiekonzept ist angelehnt an amerikanische, australische und britische Selbsthilfe-Leitfäden, die "wir an die iranische Mentalität und Kultur angepasst haben", erläutert der Arzt.
Seit 17 Jahren arbeitet er als Drogenmediziner und gehört damit in seiner Heimat zu den Pionieren. Denn um die Jahrtausendwende 2000 krempelte die Islamische Republik ihre langjährige Null-Toleranz-Politik völlig um und betrachtete Süchtige fortan nicht mehr als moralische Versager oder religiös Abtrünnige, sondern als hilfsbedürftige Patienten. Bereits 2002 wurde die Hälfte des staatlichen Budgets für Drogenbekämpfung in Aufklärung und ...

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