Indien

Wirtschaftsprofessor Anil Gupta sucht Erfindungen in den Dörfern

Klaus Sieg  und Jörg Böthling

Von Klaus Sieg (Text) und Jörg Böthling (Fotos)

Sa, 29. Juni 2013

Ausland

Auch Bauern können zu Erfindern werden: Warum der indische Professor Anil Gupta über die Dörfer pilgert.

Zusammengesackt hockt Tanadi im Schatten des großen Tamarindenbaums. Die Augen niedergeschlagen, blickt er auf den staubigen Boden des Dorfplatzes. So hoher Besuch am frühen Morgen. Auf den Plastikstuhl hatte Tanadi sich nicht setzen wollen – auf einer Höhe mit Anil Gupta, dem Professor aus der Großstadt. Der aber hat kurzerhand die Plastikstühle weggeschoben und sich neben den Kleinbauern auf die knorrigen Wurzeln des Baumes gesetzt. Nun zeigt er auf einen dürren Ast in einer Plastiktüte. "Wofür nutzt ihr diese Pflanze?"

Anil Gupta mustert den Farmer neugierig durch seine Brille. "Für nichts Besonderes, die kann man für nicht viel gebrauchen." Tanadi zieht die Schultern hoch. "Wirklich?", bohrt der Professor nach. Tanadi kratzt sich die grauen Bartstoppeln. "Na ja, wir stecken die Äste ins Feld, damit der Reiskäfer wegbleibt", sagt er. "Das Wasser im Reisfeld wäscht die Wirkstoffe heraus und verteilt sie auf die Pflanzen." Anil Gupta schlägt sich auf die Oberschenkel. "Das soll nichts Besonderes sein? Aber das ist doch fantastisch!"

Anil Gupta lehrt und forscht am Indian Institute of Management in Ahmadabad, eine der renommiertesten Universitäten des Landes. Er ist hellhäutig, schlank, hoch gewachsen und trägt einen sorgfältig gestutzten Vollbart. Der Bauer Tanadi ist klein und gedrungen. Seine lederne Haut zeugt von harter körperlicher Arbeit unter der sengenden Sonne Ostindiens.

Tanadi ist noch nie aus seinem Dorf Sargipal heraus gekommen. Der Wirtschaftsprofessor hält Vorträge in Berkeley, Cambridge oder Boston. Aber während seine Kollegen in ihren komfortablen Büros sitzen, reist er in Dörfer, die Lichtjahre von dem modernen Indien der Metropolen entfernt zu sein scheinen. Dort sucht er nach Erfindungen, Tricks und Ideen von Menschen, die mit dem Wenigsten auskommen müssen. "Die Not macht ...

BZ-Archiv-Artikel

Einfach registrieren und Sie können pro Monat 5 Artikel kostenlos online lesen - inklusive BZ-Plus-Artikel und BZ-Archiv-Artikel.

Gleich können Sie weiterlesen!

Exklusive Vorteile:

  • 5 Artikel pro Monat kostenlos
  • BZ-Plus-Artikel lesen
  • Online-Zugriff auf BZ-Archiv-Artikel
  • Qualitätsjournalismus aus Ihrer Heimat
  • An 18 Standorten in Südbaden – von 150 Redakteuren und 1500 freien Journalisten
  • Verwurzelt in der Region. Kritisch. Unabhängig.
  • Komfortable Anzeigenaufgabe und -verwaltung
  • Weitere Dienste wie z.B. Nutzung der Kommentarfunktion
  • Zugang zu mehreren Portalen der bz.medien: badische-zeitung.de, fudder.de und schnapp.de

* Pflichtfelder

Anmeldung

* Pflichtfelder

Meine BZ