Rehmann-Museum in Laufenburg/Schweiz

Ausstellung erinnert an Hans Josephsohn

Peter Schütz

Von Peter Schütz

Di, 10. September 2019 um 17:32 Uhr

Laufenburg

"Schaffen – Hans Josephsohn": Die neue Ausstellung im Rehmann-Museum erinnert an den 2012 gestorbenen Bildhauer. Zu sehen sind Reliefs und Skulpturen.

Die Eröffnung der Kunstausstellung "Schaffen – Hans Josephsohn" im Rehmann-Museum in Laufenburg/Schweiz stieß auf großes Interesse. Das Museum zeigt eine Werkauswahl des Bildhauers. Ergänzend zu Josephsohns plastischen Reliefs und Skulpturen sind auch Werke von Erwin Rehmann zu sehen.



Was passt, denn die beiden Künstler sind aus derselben Generation: Josephsohn hat von 1920 bis 2012 gelebt, Rehmann ist 1921 zur Welt gekommen. Die beiden haben sich gekannt: Bei einem Besuch in Josephsohns Atelier in Zürich bekam der Laufenburger Bildhauer und Skulpturist Einsicht in die Arbeitsweise des noch zu Lebzeiten international rezipierten Kollegen. Rehmann habe seither Josephsohns Konsequenz und dessen beständiges Schaffen sehr geschätzt, berichtete Kurator Tyrone Richards bei der Vernissage.

Beide Künstler haben eine Bildhauerlehre absolviert, entwickelten aber im Lauf der Zeit ein autonomes, eigenständiges Werk. Beide haben Bronzeabgüsse hergestellt oder herstellen lassen. Und beide haben sich mit dem Menschenbild befasst – Josephsohn sein ganzes Leben lang, Rehmann vor allem in seinem Frühwerk.

Hans Josephsohns bevorzugtes Arbeitsmaterial war Gips, von dem er sagte, er sei neutral. Er sei einer gewesen, der ständig an seinen Figuren und Reliefs gearbeitet hat, sagte Richards, "bis der Bronzeguss den Zustand des Werkes kristallisierte". Josephsohn war also ein "Schaffer", womit der Bogen zum Ausstellungstitel geschlagen wäre, auch in Bezug auf dessen Zitat, dass sich Plastik "aus dem Schaffen heraus entwickelt". Schaffen kann sowohl als Verb "arbeiten" verstanden werden, aber auch als Oeuvre, als geschlossenes Werk. "Wir wollen beides zeigen", so Richards, "das Werk und den Prozess".

Aus Josephsohns Arbeitsweise sind markante Strukturen entstanden. "Jedes Werk hat eine unglaublich physische Präsenz", bemerkte Tyrone Richards. Glatt ist denn auch nichts in der Ausstellung im Rehmann-Museum. Die zum Teil an der Wand hängenden Bronzegüsse weisen schroffe Oberflächen auf, aus denen liegende oder stehende Figuren, auch Tiere, ragen. Halbfiguren sind zu sehen, ein stehender weiblicher Akt, zentral im Obergeschoss auf einem Sockel eine Figur ohne Titel, die ihr Geheimnis nicht ohne weiteres preisgibt.

Hans Josephsohn kam 1920 in Preußen zur Welt. Als Jude erfuhr er den Antisemitismus und die Repressionen durch die Nationalsozialisten am eigenen Leib. Er reiste nach Italien und 1938, kurz bevor die Grenzen geschlossen wurden, in die Schweiz. Er zog nach Zürich, wo er dank der jüdischen Gemeinde und der Unterstützung von Nachbarn sein Überleben sichern konnte.

Die Ausstellung dauert bis Sonntag, 9. Februar 2020. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 11 bis 16 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr. Christian Haller liest am Montag, 23. September, 18 Uhr. Eine öffentliche Führung ist am Mittwoch, 25. September, 18.30 Uhr, eine Matinee am Mittwoch, 2. Oktober, 10 Uhr, ein Ausstellungstalk mit Ewald Trachsel, Laurin Merz und Tyrone Richards am Samstag, 12. Oktober, 18 Uhr.

Mehr Infos im Internet unter http://www.rehmann-museum.ch