Schulklassen ohne Vorurteile

Claudia Förster Ribet

Von Claudia Förster Ribet

Di, 21. Mai 2019

Haslach

Im Rahmen des Projekts "Europa macht Schule" erzählen Austauschstudenten deutschen Kindern von ihrer Heimat.

FREIBURG. "Welches Tier ist das Wahrzeichen von Bern?", fragt die Studentin Eléonore Odier, "und welche Form hat das Matterhorn?" Fleißig wuseln die Schüler der Klasse 2c der Pestalozzischule in Haslach durchs Klassenzimmer und suchen Antworten. An einigen Stationen finden sie Bilder, Karten und Texte über Schweizer Städte, Berge und Seen. Die Schüler sind begeistert, erzählen sich von Ausflügen nach Basel oder zum Skifahren. "Ich würde gerne mal die Brücke in Luzern sehen", sagt die siebenjährige Sumaiya, als sie Bilder der ältesten Brücke Europas sieht.

Am Ende der Stunde können die Zweitklässler die Quizfragen richtig beantworten. Jetzt haben sie einen guten Eindruck von ihrem Heimatland gewonnen, findet Eléonore Odier. Die 22-jährige Genferin studiert Grundschullehramt und verbringt gerade ein Auslandsjahr an der Freiburger Pädagogischen Hochschule, um ihr Deutsch zu verbessern. In den vergangenen zwei Wochen hat sie im Rahmen des Projekts "Europa macht Schule" mit der Haslacher Schulklasse viel über die Schweiz gesprochen.

Gemeinsam mit der Klassenlehrerin Heike Sahm entwarf sie Schulstunden zur Geografie, der Kultur und den Sprachen der Schweiz, die sie jeweils bei einer zweiten und einer dritten Klasse hielt. Genau wie die angehende Schweizerische Lehrerin haben viele weitere Studenten in den vergangenen Monaten Schulklassen besucht und von ihren europäischen Heimatländern erzählt. Dadurch sollen Kinder und Jugendliche Europa besser kennenlernen und Kontakte knüpfen.

"Es war spannend, mir Gedanken darüber zu machen, was für mich eigentlich die Schweiz ausmacht, ohne dabei patriotisch zu klingen", sagt Odier. Anfangs habe die 22-Jährige befürchtet, dass ihre Heimat für die Schüler nicht exotisch genug oder gar langweilig sei. "Im Gegenteil", sagt Klassenlehrerin Sahm, "für die Kinder war es toll, etwas über das Nachbarland zu erfahren, mit dem viele schon Berührungspunkte hatten." Dass ihre Schüler weit jünger sind als bei "Europa macht Schule" üblich, sei kein Problem gewesen: "Je früher die Kinder lernen, dass andere Kulturen interessant sind und sie keine Angst davor haben müssen, desto besser."

Die Klassenlehrerin ist rundum zufrieden mit dem Projekt, genau wie ihre 22-jährige Gastlehrerin: "Ich habe in den Schulstunden auf vielen Ebenen etwas dazugelernt", erzählt Odier, "einerseits habe ich Erfahrungen als Lehrerin allgemein gesammelt, andererseits dabei, auf Deutsch zu unterrichten." Die Sprache sei die größte Herausforderung für die Genferin gewesen, deren Mutter- und Unterrichtssprache Französisch ist. "Die schönste Erfahrung war zu sehen, dass die Kinder überhaupt keine Vorurteile hatten. Sie waren sehr neugierig", erzählt sie.

Auch die Schüler haben viel dazugelernt. "Ich war schon ein paar Mal in der Schweiz, aber ich wusste nicht, dass man dort eine Sprache namens Rätoromanisch spricht", erzählt der siebenjährige Lars. "Es war total cool, die Sprachen zu hören", sagt seine Mitschülerin Sumaiya. Lars und ihr haben die Schulstunden mit Eléonore Odier viel Spaß gemacht, besonders das schweizerdeutsche Lied, das sie gelernt haben. Die beiden Siebenjährigen zählen die Wörter auf Schwyzerdütsch auf, die sie gelernt haben – ein paar wollen sie sich unbedingt merken. Auch wo die Schweiz auf der Weltkarte zu finden ist und was die größten Städte charakterisiert, wissen sie jetzt. Eléonore Odier ist zufrieden: "Jetzt können sich die Kinder ihr Nachbarland ein bisschen besser vorstellen".