Fahrt mit Fragezeichen

Fabian Hoberg

Von Fabian Hoberg (dpa)

Sa, 25. Mai 2019

Auto & Mobilität

Wer Modelle neuer Automarken kaufen will, sollte auch an den Service denken.

Borgward, e.Go Mobile, Tesla, Polestar, bald noch Byton, Nio und Genesis: So einige Automarken drängen neu auf den deutschen Markt. Das sorgt für größere Vielfalt. Was bedeutet das für Kunden, die mit Modellen solcher Marken liebäugeln?

Nach Kauf oder Leasing werden irgendwann Inspektionen oder Reparaturen ein Thema. Etablierte Hersteller setzen auf ein dichtes Servicenetz mit Markenwerkstätten, erklärt Stefan Bratzel, Professor für Automobilwirtschaft an der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Eine Möglichkeit für neu auf den Markt drängende Hersteller sieht er in Kooperationen mit freien Servicestationen oder Werkstattketten. "Ein eigenes Servicenetz aufzubauen, macht für neue Marken wie e.Go Mobile oder Borgward wenig Sinn. Das wäre zu teuer", sagt Bratzel. Mit einem Hol- und Bringservice ließe sich der Komfort für den Besitzer erhöhen – und es wäre unwichtig, wo die Werkstatt steht. Auch Servicewagen, die zum Auto kommen, kann sich Bratzel für die Zukunft durchaus vorstellen. Wartungen werden dann vor Ort vorgenommen.

Dennoch sollten sich Interessenten von Autos neuer Marken vor dem Kauf bewusst machen, dass ihr Wagen regelmäßig zum Service muss. Eine gut erreichbare Werkstatt macht dies einfacher, so der ADAC. Denn auch wenn die Modelle vermehrt Elektroantrieb haben und etwa auf den Wechsel von Motoröl und Zündkerzen verzichten können, müssen sie bei einem Neuwagen erstmals nach drei und danach alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung.

Generell werden bei Elektrofahrzeugen die Wartungen günstiger, da eben Materialien wie Öl oder bestimmte Filter wegfallen. Dafür ist die Anfälligkeit etwa von Batterien noch nicht ganz klar. Zu bedenken ist außerdem, dass eine neue Marke wieder vom Markt verschwinden kann. Nissans Nobeltochter Infiniti wird sich bald vom europäischen Markt wieder zurückziehen, Saab gibt es schon länger nicht mehr. Dann wird die Werkstattbetreuung lückenhaft, und irgendwann werden die Ersatzteile knapp, wie der ADAC meint. Beim Start einer neuen Marke gebe es keine Gewissheit, wie lange sie durchhält.

Dass sich neue Marken auf dem europäischen Markt langfristig etablieren, daran glaubt Arthur Kipferler von der Beratungsfirma Berylls: "Nachdem der Absatz von E-Autos in den nächsten Jahren stark steigen wird, haben Elektrohersteller sehr gute Wachstumschancen", lautet seine Prognose. Für neue Elektromarken wie e.Go Mobile, Byton und Nio, aber auch Submarken wie ID von VW, Polestar von Volvo und EQ von Mercedes könnte das ein großes Volumen ausmachen.