Sozialfonds der Presse

Avanti Dilettanti: Launige Stunden auf harten Bänken

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Mo, 21. Oktober 2019 um 15:58 Uhr

Freiburg

Es war eine gelungene Benefizrevue in der proppenvollen Wodan-Halle: Avanti Dilettanti des Sozialfonds der Presse fand mit Musik, Kabarett und Experimenten statt.

Die Benefizrevue Avanti Dilettanti des Sozialfonds der Presse bietet immer einen besonderen Blick auf Freiburg: satirisch, aber doch irgendwie liebevoll. Das vierstündige Programm der jüngsten Ausgabe am Samstagabend war zudem stilistisch so abwechslungsreich wie selten, von Punk bis Poesie.

Ein Geheimtipp ist die Veranstaltung nicht mehr. Wie jedes Jahr war die Wodan-Halle rasch ausverkauft. Der Erlös des Abends kommt freien Freiburger Journalistinnen und Journalisten zugute, die sich in einer Notlage befinden oder sich mal eine Auszeit leisten wollen, wie Holger Knöferl, Vorsitzender des Sozialfonds und stellvertretender BZ-Chefredakteur, erklärte. Möglich sei das nur dank des ehrenamtlichen Einsatzes der Beteiligten, von Wodan-Betreiber Gerhard Spiecker über das Technikteam bis hin zu den Akteuren auf der Bühne.

Den Auftakt machte das Ortenauer Quartett "Stimmband" mit BZ-Redakteur Michael Sträter an der zwölfsaitigen Gitarre. Als Flüsterrock bezeichnet die Combo ihre Coverversionen von SWR 1-kompatiblen Stücken. Selbst einstiger Hardrock wie "Easy Livin" von Uriah Heep kommt relaxed daher. Ein lässiger Einstieg in die lange Nacht.

Das mittlerweile auch schon traditionelle Vorstandskabarett des Sozialfonds gab erneut Einblicke in eine Sitzung, die diesmal unter dem Punkt "Verschiedenes" in eine Debatte über einen Beitrag zum anstehenden 900-Jahr-Jubiläum der Stadt mündete. Die Idee: E-Wald – ein multifunktionaler und elektromobiler Wald, der umweltfreundlich dorthin transportiert wird, wo er gebraucht wird, vom Platz der Alten Synagoge im Sommer (spendet Schatten) bis zum Stühlinger Kirchplatz im Frühjahr (schlägt aus).
Informationen zum Sozialfonds der Presse und zur Mitgliedschaft gibt es unter www.sozialfonds-freiburg.de. Kontakt über E-Mail an sozialfondsfreiburg@web.de.

Neuland betraten gleich zwei Acts. Unter dem Motto "Rock trifft Barock" transformierte Friedrich Mühlhölzer, Dozent an der Musikhochschule, seine Barockgitarre in die Moderne. Gemeinsam mit Liedermacher Mike Schäfer an der Akustikgitarre wurden alte Songs wie "Hit the Road, Jack" zum neuen Hörerlebnis. Und BZ-Kolumnist Florian Kech wagte einen "Crashkurs zur Förderung von gestrigem Denken". Diese geistige Rückbildungsgymnastik sei in Feldversuchen in Ostdeutschland erfolgreich erprobt worden. Seine Gedankenakrobatik – bissig und böse, drastisch und dramatisch – lockerte "Trübsalbläser" Uli Eith am Saxophon auf.

Das Landleben mit all seinen Höhen und Tiefen

Kabarett auf Profi-Niveau boten die "Bure zum Alange" (Bauern zum Anfassen). Die Drei stammen aus der Hochschwarzwälder Landwirtschaft, sind aber allesamt inzwischen als Lehrer tätig. Im Aufeinandertreffen von alemannischem Bauer und westfälischem Kurgast deklinieren sie das Landleben durch mit all seinen Höhen und Tiefen. Mit viel Situationskomik wirbt das Trio um Verständnis für die Branche. Die Rolle der Ab- und Aufräumer ist für die BZ-Band reserviert. Die neunköpfige Kapelle, verstärkt um Saxophonist und Politikprofessor Uli Eith sowie Neu-Stadtrat und Richter Lars Petersen an der Posaune, passte kaum auf die Bühne.

Der musikalische Mix aus Dampfhammersongs, Schlager und Mitgröl-Hymnen, die federführend von BZ-Stadtreporter James Röderer auf Freiburger Gegebenheiten umgetextet wurden, funktionierte. So wurde "Butterfly" zum gleich zweimal aufgeführten Hit, der den internetaffinen Oberbürgermeister aufs Korn nimmt: "Martin Horn – will dein Like auf Instagram".

Die Reaktion der Gäste zeigte: Auch auf harten Bierbänken können vier Stunden sehr kurzweilig sein.