Interview

AWO-Vorsitzender: "Es hängt viel von Persönlichkeiten ab"

Wulf Rüskamp

Von Wulf Rüskamp

Mi, 13. November 2019 um 15:24 Uhr

Deutschland

Die Bezirksverbände der AWO sind zwischen Baden und Württemberg getrennt. Im Gespräch erklärt der Wilfried Pfeiffer, warum eine Fusion nicht möglich sei – und geht auf die Nähe zur SPD ein.

BZ: Herr Pfeiffer, 100 Jahre AWO: Das feiern die Bezirksverbände Baden und Württemberg gemeinsam. Im Alltag dagegen gehen sie weithin getrennte Wege. Kein Gedanke an eine Fusion?
Pfeiffer: Die Trennung ist nicht bloß Tradition, sondern die Bezirke haben sich in ihrer Organisation derart selbstständig entwickelt, dass es jetzt ein Riesenproblem wäre, sie zusammenzuführen, weil sie jeweils eine andere Struktur haben. Schon als 1976 die Bezirke Nord- und Südbaden zusammengeführt worden sind, war das keine Selbstverständlichkeit. Und auf Landesebene bilden wir ja einen Landesverband, über den wir etwa mit den Ministerien im Gespräch stehen.

"Als Vorsitzender mische ich mich in das operative Geschäft auch nicht ein"

BZ: In Wohlfahrtsorganisationen ist das Verhältnis zwischen ehrenamtlichen und hauptamtlichen Kräften oft ein heikles Thema. Wie steht es damit in der AWO Baden? Und wie verstehen Sie Ihre Aufgabe als ehrenamtlicher Vorstand?
Pfeiffer: Dieses Problem hat es in der AWO immer wieder einmal gegeben. Aber ich halte die Aufteilung für klar: Die Hauptamtlichen erledigen nun einmal die Hauptarbeit, während die Ehrenamtlichen gar nicht so viel Zeit aufwenden können. Als Vorsitzender mische ich mich in das operative Geschäft auch nicht ein, sondern wir treffen im Vorstand eher die strategischen Entscheidungen.
Zur Person

Wilfried Pfeiffer (71), Rechtsanwalt in Singen, ist seit 2014 Vorsitzender des Bezirks Baden der Arbeiterwohlfahrt.



BZ:
Die Zahl der ehrenamtlich Engagierten wird auch bei der AWO immer kleiner. Was tun Sie gegen diesen Schwund?
Pfeiffer: Es gibt in Baden Ortsvereine, die ganz erfolgreich sind in der Mitgliederwerbung. Aber es hängt viel von Persönlichkeiten ab, die sich für den Verband einsetzen und die die Menschen persönlich ansprechen.

"Die AWO kümmert sich schon noch etwas um die SPD, aber die SPD nicht um die AWO."

BZ: Die AWO ist wie die anderen Wohlfahrtsverbände in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewachsen. Ist das noch zu bewältigen?
Pfeiffer: Dieses Wachstum liegt doch nicht an den Wohlfahrtsverbänden allein, das liegt auch am Staat und an der Gesellschaft, die dieses Angebot anfordern. Auf der anderen Seite gibt es US-Konzerne, die mit einigen Milliarden ganze Ketten von Senioren-und Pflegeheimen kaufen – und hinterher stellt sich die Frage, welche Folgen das für die armen Bewohner hat. Denn diesen privaten Unternehmen geht es nur ums Geld.

BZ: Die Nähe zur SPD – ist das angesichts deren schlechten Wahl- und Umfrageergebnisse inzwischen ein Problem für die AWO?
Pfeiffer: Nein, weil die AWO sich seit ihrer Neugründung als parteipolitisch unabhängig erklärt hat, auch wenn Sozialdemokraten traditionell in den Vorständen der Vereine und Verbänden stark vertreten sind. Ich möchte es so sagen: Die AWO kümmert sich schon noch etwas um die SPD, aber die SPD nicht um die AWO.

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