Das Innere wird nach außen getragen und sichtbar gemacht

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Mo, 25. Februar 2019

Bad Säckingen

"Portraits": Neue Ausstellung in der Villa Berberich stellt expressive Gesichter von Brigitta Loch und realistische Bildnisse von Tatjana Utz einander gegenüber.

BAD SÄCKINGEN. Zwei Sichtweisen auf Porträtmalerei heute zeigt der Kunstverein Hochrhein in der Villa Berberich in Bad Säckingen. Sehr spannend ist diese Gegenüberstellung der expressiven Gesichter von Brigitta Loch und der realistischen Bildnisse von Tatjana Utz, die Geschichten über Menschen erzählen.

Die in Stil und Technik unterschiedlichen Menschenbilder der beiden Malerinnen zusammenzubringen, war die Idee des Vorsitzenden des Kunstvereins, Frank van Veen. Er sprach bei der Eröffnung darüber, was Porträt bedeutet als Spiegel der Person und Persönlichkeit. Nicht von ungefähr würden die Augen, die den Betrachter so eindringlich anblicken, als Spiegel der Seele bezeichnet. Das Innere werde in diesen Bildern nach außen getragen und sichtbar gemacht.

Riesige Formate haben einige der Köpfe von Brigitta Loch. Die Malerin aus Kirchheim am Neckar bringt reale Menschen, die sie aus dem persönlichen Umfeld kennt, auf die Leinwand, lässt sich aber auch von Fotos inspirieren. Expressiv, voller Kraft, Dynamik und Vehemenz im breiten Pinselstrich, mit gestischem Duktus und starken farbigen Akzenten fängt sie den speziellen Ausdruck in diesen Frauengesichtern in Acryl auf Leinwand ein. Überlebensgroß ziehen sie den Betrachter in den Bann, mit eindringlichem Blick, denn Brigitta Loch konzentriert sich auf das Wesentliche des Gesichts, vor allem die Augen, den fragenden, nachdenklichen, bohrenden Blick. Das Drumherum ist ausgespart, alle Intensität in dem Antlitz gebündelt. Die heftigen, gestischen Pinselschwünge sind deutlich sichtbar und modellieren die Gesichtszüge mit Licht und Schatteneffekten. Durch herablaufende Farbschlieren, den verschwenderischen Duktus, die zwischen Grau-Schwarz-Tönen heraus leuchtenden roten, blauen, gelben oder grünen Farbspuren erhalten diese weiblichen Gesichter eine intensive Wirkung. Von Nahem betrachtet sind es fast Farblandschaften, von weitem lösen sich die Physiognomien deutlicher und markanter heraus. Es geht der Malerin nicht um die Wiedererkennbarkeit der realen Person, sondern um puren Ausdruck, um Emotion, um das Herausarbeiten von Gefühlen und seelischen Stimmungen, die im Blick eingefangen werden. Entsprechend tragen diese faszinierenden, teils zwei Meter hohen Frauengesichter Titel wie "Unter die Haut", "Schatten der Erinnerung", "Eisleuchten" oder "Nachtschöne."

Eine ganz andere Herangehensweise an das Thema Mensch hat Tatjana Utz aus München, die mehr realistisch, teils sogar fotorealistisch arbeitet. Sie präsentiert Ölbilder aus drei Werkgruppen. Inspiriert vom französischen Film, hat sie Film-Stills aus Kinofilmen der 70er und 80er Jahre mit Romy Schneider malerisch umgesetzt. In der Serie "Romy" sieht man die große Schauspielerin in Szenen aus "Die Spaziergängerin von Sans-Souci", "Die zwei Gesichter einer Frau" und "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen". Diese gemalten Filmbilder machen deutlich, wie hautnah der Filmstar die Emotionen, die Verletzlichkeit, Tragik, Einsamkeit, Verzweiflung und Brüchigkeit des Lebens auf die Rollen übertragen hat.

Hinter die Fassade des schönen Scheins, hinter die Maske und Schminke zu schauen, gelingt Tatjana Utz auch in ihrer Serie "Showtime". Die Malerin hat Travestiekünstler beobachtet, auf und hinter der Bühne, in den Garderoben, beim Schminken, vor dem Spiegel, beim Verwandlungsprozess. Daraus sind ausdrucksstarke Porträts entstanden, die viel erzählen von den Menschen hinter den schillernden, exzentrischen Kunstfiguren. Das Ungeschminkte im doppelten Sinn, die Verwandlung vom Mann in eine Frauengestalt und Bühnenfigur mit Perücke, Lippenstift, Mascara, Glitzerkleid und Show-Pose stellt Tatjana Utz in ungeschönter realistischer Manier dar. Sie zeigt die Travestiekünstler ungeschminkt, rauchend in der Garderobe im Bademantel mit Leoprint, beim Auftragen der Schminke, beim Parfümieren, eine Zigarette zwischen den Lippen. In anderen Bildern, Aquarellen und Linoldrucken zeigt sie die Travestiekünstler in Kostümen, mit Federboa.

Knallhart realistisch wirken die Bilder von Jugendlichen aus den Banlieues von Paris, den trostlosen Vororten, wo Armut, Hoffnungslosigkeit, Tristesse und Gewalt herrschen. Ausgehend von dem Film "La Haine – der Hass" hat Tatjana Utz junge Leute vor Graffiti-Wänden, grauen Wohnbauten gemalt, düstere urbane Szenen aus sozialen Brennpunkten am Rand der Gesellschaft.

Die Ausstellung dauert bis Sonntag,

24. März. Geöffnet Mittwoch, 16 bis 18 Uhr, Samstag, 14 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage, 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.