Passagen von aufstrahlender Klangpracht

Michael Gottstein

Von Michael Gottstein

Mo, 13. Mai 2019

Bad Säckingen

Der Bad Säckinger Kammerchor hat in der Kirche Peter und Paul ein barockes Programm aufgeführt.

BAD SÄCKINGEN. Den Bad Säckinger Kammerchor, ein Orchester sowie Solisten hautnah erleben konnten die Besucher am Samstag in der altkatholischen St.-Peter-und-Pauls-Kirche. In dem barocken Programm bekam man kammermusikalische Momente geboten, deren Feinheiten aus kurzer Distanz besonders gut zu erleben waren, aber auch Passagen von aufstrahlender Klangpracht.

Den Auftakt machte Francesco Durantes "Magnificat": Das kleine und sehr feinnervig agierende Orchester spielte prägnant auf, und die Soprane ließen den "Magnificat"-Ruf wie ein Leitmotiv herausstrahlen. Zu diesem festlichen Eingang setzten die Solistinnen Elisabeth Haller (Sopran) und Leonie Hartle (Alt) im "Misericordia" einen ruhigen Kontrapunkt mit innigen, flehentlichen Momenten, bevor der Chor mit dem machtvollen Satz "Fecit potentiam" dramatisch auftrumpfte. In ihrem melismengeschmückten Duett besangen Sebastian Oberlin (Tenor) und Tobias Jäck (Bass) mit kultivierten Stimmen Gottes Barmherzigkeit.

In Bachs Fuge über das "Magnificat" zeigte der sonst für das Cembalo-Continuo-Fundament zuständige Stephan Kreutz, dass sich auch einer kleinen Orgel eine runde Interpretation entlocken ließ, und in Bachs "Wohl mir, dass ich Jesum habe" durfte das Publikum mitsingen.

Alessandro Marcellos d-Moll-Konzert für Oboe erklang hier in kammermusikalischer Intimität: Das Orchester war teils harmonische Stütze, teils ein elanvoll agierender Partner des Solisten Ulf Kühner. Völlig sauber und mühelos meisterte er die schnellen Passagen, die er mit Glissandi und Trillern bereicherte, und stets wirkte sein Vortrag nicht nur "korrekt", sondern auch sehr lebendig. Besonders im Adagio-Satz gelang ihm ein melancholischen Oboengesang, der die Besucher bis zur letzten Note in seinen Bann zog. In Vivaldis "Gloria" bot das grandios aufspielende Orchester inklusive markanter Trompeten-Glanzlichter ein passendes Entree für einen Chorsatz von imponierender Strahlkraft.

Dass sich Dirigent Wolfgang Haller nicht nur auf energische Tempi und prägnante Rhythmen verstand, sondern auch in verhaltenen Passagen die Spannung aufrechterhalten konnte, wurde in dem "Et in terra"-Abschnitt deutlich.

Insgesamt bewies der Chor, dass die Stimmlagen ausgewogen besetzt waren, und auch in Koloraturketten ließ er sich in der Einsatzgenauigkeit nicht beirren. Schöne Momente gelangen den Solisten, so der Sopranistin in der lyrischen, von der Oboe begleiteten Arie "Domine Deus", der Altistin in der expressiven Arie "Lamm Gottes" oder beiden Sängerinnen in dem "Laudamus te"-Duett, in dem die Stimmen ganz barock-instrumental verschlungen waren und sich imitierten.