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Holger Holzer (SP-X)/BZ

Von Holger Holzer (SP-X)/BZ

Sa, 27. Februar 2021

Auto & Mobilität

Kleinstwagen stehen wegen CO2-Auflagen unter Druck.

Kleinstwagen mit einem Listenpreis unter 10 000 Euro werden seltener. Abgas- und CO2-Aufla- gen machen die Mini-Mobile für Hersteller und Kunden zunehmend unattraktiv. Eine Überlebenschance heißt E-Mobilität.

Lange Jahre bildeten sie die Basis der Automobilität: die Kleinstwagen, die vom Kraftfahrtbundesamt unter der Bezeichnung "Minis" geführt werden. Zuletzt sind Angebot und Nachfrage in dieser Klasse geschrumpft. Die einst üppige Auswahl beschränkt sich mittlerweile auf ein halbes Dutzend Modellfamilien, die oft zunehmend in die Jahre kommen. Dabei haben sie durchaus noch etwas zu bieten.

Knapp 145 000 Fahrzeuge der kleinsten Klasse sind 2020 neu zugelassen worden – fast 90 000 weniger als im Vorjahr. Die schwache Nachfrage hat auch mit der Corona-Pandemie zu tun, aber die eigentlichen Ursachen liegen tiefer.

Für die Hersteller werden die renditeschwachen Modelle immer unattraktiver. Die eh schon geringen Margen sind zuletzt vor allem durch die Verschärfung der Abgasnorm noch einmal unter Druck geraten. Die macht zusätzliche Technik nötig, für die jedoch die Zahlungsbereitschaft bei der preissensiblen Kundschaft fehlt.

Paradoxerweise setzt daher der politische Druck zur CO2- Reduzierung den eigentlich ressourcenschonenden Kleinstautos zu. Denn sie müssen rein rechnerisch relativ ambitionierte EU-Zielwerte erreichen. Auch im Vergleich zu großen SUVs und anderen schwereren Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, die dank eines Gewichtsbonus mehr Klimagas emittieren dürfen.

Spritspartechnik wie sie ab der Kleinwagenklasse mittlerweile Standard ist, ist für die darunter angesiedelten Kleinstwagen jedoch zu teuer. In der Konsequenz drohen die Kleinstwagen ihren Herstellern eine gute Klimabilanz zu vermasseln. Einige Marken haben daher ihre Einstiegsmodelle gleich mehr oder minder vollständig auf E-Antrieb umgestellt – der fließt in die CO2-Bilanz mit dem Wert null ein.

Die Elektro-Strategie hat vor allem der VW-Konzern gewählt für sein Trio VW Up, Seat Mii und Škoda Citigo mit E-Antrieb anbietet. Je nach Marke gibt es freilich Unterschiede im Detail. Allerdings ist derzeit allein der Up als Neuwagen erhältlich, allerdings auch als Benziner und mit Erdgasantrieb.

Konsequent auf Elektrifizierung setzt auch Smart. Die Daimler-Tochter hat die Verbrenner bereits 2019 gestrichen und bietet sowohl den zweisitzigen Fortwo als auch den Viersitzer Forfour nur noch elektrisch an.

Größter Konkurrent ist der weitgehend baugleiche Renault Twingo Electric. Den kleinen Franzosen gibt es auch noch konventionell angetrieben.

Die Italiener spalten ihre 500er-Baureihe auf: Parallel zu dem bereits seit 2007 gebauten konventionellen Modell gibt es den Retro-Mini seit diesem Jahr auch als technisch und optisch eigenständiges E-Mobil. Außerdem haben sie noch den Panda im Programm.

Gemeinsam ist den Vollelektrikern ein Preisniveau, das jenseits der 20 000 Euro liegt. Verbrenner kommen da günstiger. Das gilt etwa für den Mitsubishi Space Star, der nach Preisliste knapp unter der 10 000er-Grenze liegt. Darüber rangiert die Neuerscheinung Hyundai i10 und auch der Kia Picanto, der jüngst aufgefrischt wurde.

Zu den Etablierten zählt das das franko-japanische Trio Toyota Aygo, Peugeot 108 und Citroen C1. Unter ihnen erreicht nur noch der C1 einen vierstelligen Wert. Wie lange es das immerhin schon seit 2014 in der aktuellen Form gebaute Trio noch geben wird, ist unklar. Eine Neuauflage im Dreierbund gilt aktuell eher als unwahrscheinlich.