Neues Betriebskonzept

Bald fährt jede zweite Breisgau-S-Bahn von Breisach bis in den Schwarzwald durch

Martin Wendel, Manfred Frietsch

Von Martin Wendel & Manfred Frietsch

Fr, 10. Januar 2020 um 17:47 Uhr

Südwest

Der bisherige Betrieb auf der Breisgau-S-Bahn ist den Fahrgästen nicht zuzumuten. Das gibt jetzt auch die Bahn zu – und führt ein Provisorium ein, wenn Breisach im Februar angebunden wird.

Die DB Regio, das Verkehrsministerium und der Zweckverband Regio-Nahverkehr Freiburg (ZRF) haben sich auf ein verändertes Betriebskonzept für die Breisgau-S-Bahn geeinigt. Es soll einen stabilen Zugverkehr ermöglichen, hieß es am Freitag in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Die Veränderungen greifen ab 17. Februar. Dann wird auch der aktuell noch gesperrte Abschnitt Gottenheim – Breisach geöffnet. Fahrgäste vom nördlichen und östlichen Kaiserstuhl sind zumindest bis Juni gezwungen, auf dem Weg von und nach Freiburg in Gottenheim umzusteigen.

Flügeln ist aktuell zu aufwändig

Kern des neuen Konzepts ist das Eingeständnis, dass das Flügeln von Zugteilen in Gottenheim und Titisee aktuell zu aufwändig ist, um den Taktverkehr auf der durchgehenden Linie einzuhalten. Die zahlreichen Zugkopplungsprozesse für viele Direktverbindungen hätten in der Praxis seit dem Start im Dezember zu vielen Verspätungen und Zugausfällen geführt.

Ziel des Übergangskonzepts sei ein verlässlicher Betrieb im weitgehend eingleisigen Netz, heißt es in der Pressemitteilung. Das bestehende Konzept sei "in seiner Komplexität zurzeit nicht mit einer akzeptablen Stabilität zu fahren und damit auf Dauer auch den Reisenden nicht zuzumuten", wird David Weltzien, Vorsitzender der Regionalleitung bei DB Regio Baden-Württemberg, zitiert.

Minister und ZRF halten an Zielkonzept fest

Für Verkehrsminister Winfried Hermann steht allerdings fest: "Ziel ist und bleibt, auf der Breisgau-S-Bahn in diesem Jahr schrittweise zum geplanten Zielkonzept zurückzukehren."

Das sieht auch der ZRF-Vorsitzende und Emmendinger Landrat Hanno Hurth so: "Wir bedauern die zum Teil erheblichen Verspätungen und sogar Zugausfälle sowie auch die schlechte Information der Fahrgäste.

Um baldmöglichst einen stabilen Betrieb auf der Strecke zu gewährleisten, hat der ZRF dem reduzierten Fahrplanangebot zugestimmt. Wir bestehen aber mittelfristig auf dem vom Land bestellten und der DB Netz AG testierten Fahrplankonzept."

Die Eckpunkte des neuen Betriebskonzepts

Die wesentlichen Punkte des geänderten Konzepts sind laut DB, Land und ZRF :
  • Alle werktäglichen Zugverbindungen bleiben. Es verkehrt kein Zug weniger.
  • Stündliche Verbindung von Villingen über Neustadt nach Freiburg.
  • Stündliche Linie von Breisach über Freiburg und Titisee nach Seebrugg mit zwei elektrischen Triebwagen.
  • Vorerst Verzicht auf halbstündliches Flügelkonzept im Bahnhof Gottenheim
  • Zwischen Endingen und Gottenheim bleibt der 30-Minuten Takt im Pendelverkehr erhalten.
  • Der werktägliche "Schülerzug" um 6.50 Uhr ab Nimburg verkehrt weiterhin umsteigefrei von Nimburg nach Freiburg.
  • Sicherstellen des 30-Minuten Takt-Angebots zwischen Freiburg und Neustadt durch Pendelverkehr zwischen Titisee und Neustadt ergänzend zur stündlichen Linie Freiburg – Neustadt – Villingen.
  • DB Regio wird ab Juni 2020 das Flügelkonzept im Bahnhof Gottenheim in der Hauptverkehrszeit realisieren.

Pendelverkehr mit Anschluss

Bis zur Umstellung werde DB Regio "alles daransetzen", das aktuell bestehende Konzept stabil zu fahren, heißt es. Laut DB Regio sollen die Züge ab 17. Februar auf der Strecke Endingen – Gottenheim so fahren, dass sie immer Anschluss an die Züge auf der Strecke Breisach – Freiburg haben.

Voraussichtlich ab Juni soll es in der Hauptverkehrszeit auch von Endingen aus bei bestimmten Verbindung umsteigefrei nach Freiburg gehen. Dass nur sporadisch Echtzeitinformationen zu den S-Bahnen angezeigt werden, liegt laut DB an technischen Problemen, die man bis 17. Februar abstellen will.

Arbeit an einer Stabilisierung

Die genauen Fahrpläne werden noch erarbeitet. Dies sowie technische Umstellungen im Fahrbetrieb und dafür nötige Genehmigungen nannten DB-Vertreter als Gründe, warum das neue Konzept nicht schon im Januar umgesetzt werden kann. Bis Mitte Februar soll deshalb im jetzigen System gefahren werden, das in den ersten Wochen so viele Probleme bereitete.

Man arbeite an einer Stabilisierung, komme aber "nicht über ein Niveau, mit dem wir zufrieden sein können, hinaus", erklärte der Regionalchef der DB Regio, David Weltzien. Probleme bereiten besonders das Kuppeln und Flügeln der mehrteiligen Züge, das derzeit in Titisee anfällt. Das führt zu Verspätungen, Zugausfällen auf Teilstrecken und verpassten Anschlüssen. Der Zweckverband fordert aber, dass ab Juni durchgehend mit Flügeln gefahren wird, ohne Umsteigen in Gottenheim, Freiburg und Titisee.

Unverständnis über Fehlstart des Bahnbetriebs

Nicht nur die Bürger, sondern auch die Bürgermeister der Gemeinden am Kaiserstuhl waren am Freitag gespannt darauf, wie das Betriebskonzept der Breisgau-S-Bahn in Zukunft funktionieren soll. Die Rathauschefs entlang der Strecke am nördlichen und östlichen Kaiserstuhl wollen in den nächsten Tagen gemeinsam Stellung zur Problematik nehmen.

Gewisse Anlaufschwierigkeiten seien bei einem so großen Projekt ja okay, betont Riegels Bürgermeister Daniel Kietz auf BZ-Anfrage, aber in diesem Ausmaß seien sie ebenso wenig akzeptabel wie die mangelhafte Kommunikation mit den Kunden.

"Wir wollen ja mehr Leute für den öffentlichen Nahverkehr gewinnen, schaffen es aber nicht einmal, den Status quo zu bewältigen." Riegels Bürgermeister Daniel Kietz
Es sei ein "absolutes Unding", ein Konzept auf den Weg zu bringen, das in der Praxis derart scheitere. Kietz: "Wir wollen ja mehr Leute für den öffentlichen Nahverkehr gewinnen, schaffen es aber nicht einmal, den Status quo zu bewältigen." Auch mit Blick auf den Fahrplanwechsel im Juni und wegfallende Buslinien habe er nicht unbedingt das Gefühl, "dass die Verantwortlichen wissen, was sie tun".

Dass sich die Beschwerden im Riegeler Rathaus in Grenzen hielten, führt Kietz auch darauf zurück, dass Riegel ja noch die alternative Anbindung über die Rheintalbahn habe. Eines steht für den Riegeler Bürgermeister fest: "Wir müssen darauf drängen, dass der Betrieb getrennt wird – aber dann in Freiburg und nicht in Gottenheim."

Industriebetrieb beklagt Ausfallzeiten

"Ich hätte mir nie vorstellen können, dass der Start der Breisgau-S-Bahn derart ausfällt", macht auch Endingens Bürgermeister Tobias Metz am Freitag deutlich. Das sei für ihn völlig unverständlich nach all dem Vorlauf. Die DB Regio sei offenbar überhaupt nicht vorbereitet auf derartige Betriebsprobleme.

Allerdings werde für ihn in der öffentlichen Debatte mehr und mehr deutlich, dass viele fachkundigen Menschen gar nicht so sehr von den Problemen überrascht seien. Laut Metz gingen im Rathaus viele Anrufe und E-Mails von verärgerten und teils verzweifelten Nahverkehrsnutzern ein.

Und nicht nur das: Aus einem Kaiserstühler Industriebetrieb wurden Metz zunehmende Ausfallzeiten an Maschinen gemeldet, weil die Mitarbeiter nicht pünktlich zur Arbeit kommen können. Die Forderung: Die Kommunen sollen sich für einen Schienenersatzverkehr stark machen.

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