Bands heben Fricks Monti fast aus den Angeln

Peter Schütz

Von Peter Schütz

Fr, 18. Oktober 2019

Bad Säckingen

Zwei Nächte lang ist das Schweizer Veranstaltungshaus im Zeichen des Blues gestanden / Je zwei Formationen am Mittwoch und am Donnerstag.

FRICK/SCHWEIZ. Zwei Nächte lang ist das Fricks Monti im Zeichen des Blues gestanden. Vier Bands hoben fast den Saal aus den Angeln.

Das letzte Album von Peter Karp – er eröffnete am Mittwoch das 26. Fricktaler Blues Festival – heißt "Blue Flame", zu Deutsch "Blaue Flamme". Entgegen des optischen Eindrucks ist die blaue Flamme, zum Beispiel bei einem Feuerzeug, heisser als die gelbe. Die Flamme wird dann blau, wenn ihr mehr Sauerstoff zugegeben wird. Dieser chemische Prozess hat sich, sinnbildlich, am Blues Festival ereignet. Mit jedem Lied, mit jedem Gitarrensolo kam mehr Sauerstoff in den Saal und stieg die Temperatur, so dass daraus zwei heiße Nächte wurden.

Obwohl die Musiker etwas kühl agierten, vom Publikum und dessen herzlichen Beifällen jedoch bald aus der Reserve gelockt wurden. Peter Karp und seine Band ließ sich dadurch zu einem aufregenden Auftritt beflügeln. Der Gitarrist, dessen flinke Finger auch über das Keyboard sausten, fand sogar noch die Zeit für das eine oder andere Späßchen. Nach einer Dreiviertelstunde genehmigte er sich den ersten Schluck einer blonden Flüssigkeit, sprach ein heiseres "Cheers" aus und machte sich daran, einen Automotor aus Detroit musikalisch zu starten. Gleiches versuchten seine Bandkollegen einer nach dem anderen mit Gitarre, Bass und Schlagzeug. Hierzulande würde nach dem ersten erfolglosen Versuch die Diagnose "Batterie kaputt" lauten, aber in Detroit wird offenbar weitergeorgelt, bis der Motor anspringt. So auch im Fricks Monti.

Peter Karp und Kollegen hatten die zündenden Effekte auf ihrer Seite – furiose Gitarrensoli, knallharte und melodievernarrte Bassläufe, sowie ein Drummer, der jeden Maulwurf am Kaisterberg aus dem Schlaf holte. Die Bühne geriet zum Hexenkessel, die Stimmung im Kinosaal war superb. Abgang Karp, Auftritt Lucky Peterson: Die amerikanische Blueslegende setzte weitere Akzente am Festival. Die Ansage des Gitarristen "Get the freak out of here" stellte dieser schalkhaft mit dem Ortsnamen Frick in Verbindung, und so ging auch der zweite Auftritt spektakulär vonstatten. Peterson hatte die ganze Band mit seiner Frau Tamara Tramell und Shawn Kellerman, dem der Ruf des härtesten Bluesgitarristen vorauseilt, mitgebracht. Erdiger, rockiger, manchmal auch ein bisschen dreckiger Blues gab es auch in der zweiten Bluesnacht am Donnerstag zu hören, als Timo Gross & Band aus Deutschland sowie Sari Schorr & Band aus den USA auftraten. Gastgeber Philipp Weiss hatte nicht nur sich selbst mit den vier Top-Bands einen Traum erfüllt.