Das Pharmaziemuseum Basel zeigt Einblicke in die moderne Medizin

sda

Von sda

Do, 25. April 2019 um 09:00 Uhr

Basel

Chirurgen bereiteten sich an einem virtuellen 3D-Abbild auf eine Operation vor. Das ist eine von vielen medizinischen Möglichkeiten, denen das Pharmaziemuseum Basel eine Ausstellung widmet.

Chirurgen am Universitätsspital Basel bereiten sich im virtuellen Raum auf reale Operationen vor. Die Entwickler der dafür nötigen Technik vermitteln im Basler Pharmaziemuseum Einblicke in diese und weitere Errungenschaften der modernen Medizin. Die am Unispital und an der Universität Basel entwickelte Technologie gelangte 2017 weltweit erstmals zur Anwendung: Chirurgen bereiteten sich an einem virtuellen 3D-Abbild auf die Operation eines Patienten mit Morbus Bechterew – eine Verknöcherung der Wirbelsäule – vor.

Mit Hilfe einer Virtual-Reality-Brille konnten sie tief in den Körper ihres Patienten eintauchen und die Operationsstelle von allen Seiten her genau betrachten. Das können nun auch Laien tun. In der interaktiven Ausstellung "Bewegte Einblicke. Medizin in der vierten Dimension" im Basler Pharmaziemuseum präsentieren die Forscher des Department of Biomedical Engineering der Medizinischen Fakultät ihre Entwicklung. "Wir wollen vom Elfenbeinturm heruntersteigen und unsere Forschung auch für Laien erlebbar machen", sagte Institutsleiter Philippe Cattin bei einer Vorbesichtigung. Die Arbeit an virtuellen 3D-Modellen gehöre mittlerweile vor allem in der Neuro- und orthopädischen Wirbelsäulenchirurgie zur Routine, sagten die Ausstellungsmacher.

Ultraschallwellen zerstören gezielt Krebstumore

Eine weitere neue medizintechnische Entwicklung, die in der Ausstellung präsentiert wird, befindet sich erst in der Anfangsphase ihres praktischen Einsatzes: eine massiv verfeinerte Steuerung von Ultraschallwellen zur gezielten Zerstörung von Krebstumoren. Die Basler Forscher haben Pads entwickelt, die mit 1420 kleinsten Lautsprechern bestückt sind. Dadurch können die Schallwellen exakt gebündelt werden. Als große Innovation bezeichnen die Forscher die Tatsache, dass auch kleine, durch die Atmung der Patienten ausgelöste Bewegungen der Tumore mit berücksichtigt werden können.

In der Ausstellung lassen sich die feinen, nicht hör- aber fühlbaren Ultraschallwellen an einem Modell mit rund 150 Lautsprechern nachvollziehen. Das Pad "beschießt" die Handfläche mit geometrischen Mustern.

Die Ausstellung mit Errungenschaften der modernen Medizin ist in zwei rund hundert Jahre alten, dem Museum angeschlossenen Laborräumen des ehemaligen Pharmazeutischen Instituts der Universität untergebracht. Die Geschichte des Hauses reicht aber noch viel weiter zurück. Im 16. Jahrhundert sezierte dort Andreas Vesal, der Begründer der neuzeitlichen Anatomie, seine ersten Leichen – eine reizvolle Klammer zwischen der Medizininnovation von einst und der rasanten Entwicklung der Gegenwart.
Info: Vernissage: 26. April, 18 Uhr. Ausstellung bis 2. Juni, Di-So (außer Feiertage) 10 bis 17 Uhr, Pharmaziemuseum der Universität Basel, Totengässlein 3. Weitere Informationen gibt es bei BZ-Ticket.