Verbandstag in Freiburg

Bauern in Südbaden: "Stimmung ist im Moment sehr schlecht"

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Fr, 22. März 2019 um 07:47 Uhr

Wirtschaft

Die Landwirte in Südbaden fühlen sich unter Druck. In den vergangenen beiden Jahren haben ihnen erst der späte Frost und dann die langanhaltende Hitze und Trockenheit zugesetzt.

Hinzu kommt öffentlicher und politischer Druck: Ob Klimawandel, Artenvielfalt oder Tierwohl – stets soll sich bei den Bauern und ihrer Arbeitsweise etwas ändern. "Die Stimmung ist im Moment sehr schlecht", sagte Werner Räpple, der Präsident des Badischen Bauernverbandes BLHV, auf dem Verbandstag der Organisation am Donnerstag in Freiburg.

Er bekam Zustimmung von unerwarteter Seite. Martin Hahn (Grüne), der Vorsitzende des Agrarausschusses im Landtag von Baden-Württemberg, pflichtete Räpple bei: "Ich habe die Stimmung auf den Höfen noch nie so schlecht erlebt wie jetzt." Es gebe eine anhaltende Kritik an der Art der Tierhaltung, so Hahn. Politisch gebe es aber keine Klarheit, in welche Richtung es gehen solle. "Wie soll ein Landwirt da investieren?", fragte Hahn.

Höhere Ansprüche kosten Geld

Räpple beklagte, dass die Bürokratie die Landwirte ersticke, obwohl Politiker regelmäßig dem Bürokratieabbau das Wort redeten. Der Verbandspräsident machte klar, man könne über alles reden – ob Klimaschutz, Artenvielfalt oder Tierwohl – man müsse aber wissen, dass das alles Geld koste. Wenn die Kosten für die Landwirte stiegen, seien auch höhere Preise für Nahrungsmittel unvermeidlich. Die Bauern könnten das nicht auffangen, ihre Einkommen seien schon bescheiden genug, so Räpple. Rund die Hälfte der Einnahmen, oft sogar der allergrößte Teil, stamme schon aus staatlichen Kassen, größtenteils denen der EU.



Viele Landwirte seien bereit, auf Ökolandbau umzusteigen, so Räpple. Sie sähen die Chancen, die darin längen. Kritisch äußerte sich der Verbandschef allerdings zur Zusammenarbeit der Lebensmittelkette Lidl mit dem Öko-Anbauverband Bioland. Lidl sei für Niedrigpreise bekannt. "Wenn Biomilch dann für 95 Cent pro Liter im Regal steht, dann ist das nicht der Weg zum Erfolg."