Zisch-Schreibwettbewerbgewinnerin Frühjahr 2021 I

Ein Bauernhof im Rampenlicht

Mi, 31. März 2021 um 10:38 Uhr

Schreibwettbewerb

Von Mathilda Pottini, Klasse F5, Clara-Grunwald-Schule, Freiburg

Es ist ein wunderschöner Sommertag und ich bin gerade mit meiner Familie in den Ferien auf einem großen Bauernhof. Heute sind meine Eltern mit meinen Geschwistern zum Wochenmarkt in die nächste Stadt gefahren und ich liege auf dem Rücken im tiefen Gras, mit meinem Sonnenhut auf dem Gesicht, blinzle in die Sonne und genieße diese tolle Stille.

Plötzlich höre ich ein lautes Meckern und Glockenläuten. Ich setze mich erstaunt auf und schon kommt eine neugierige Ziegenfamilie auf mich zugelaufen. Die sind aber mager, ist mein erster Gedanke. Ich wusste gar nicht, dass es hier auf dem Bauernhof auch Ziegen gibt. Sind sie vielleicht aus dem Stall ausgebüxt? Ich möchte sie zum Hof bringen. Zum Glück habe ich im Kontiki im Mundenhof mal gesehen, wie man das macht. Das ist gar nicht so einfach, aber dann stehe ich endlich vor dem Bauernhof und schaue in das entsetzte Gesicht der Bäuerin, die gerade auf der Bank vor ihrem Hof einen Früchtetee trinkt. Sie fragt mich, wie ich denn als Stadtkind plötzlich dazu komme, mit fremden Ziegen über die Wiesen zu ziehen.

Bevor ich antworten kann, fangen die Ziegen an, Kunststücke zu machen. Sie bilden Pyramiden, stellen sich nebeneinander und springen sich gegenseitig über den Rücken, rollen sich durch das Gras, hüpfen auf Tische und Bänke und verneigen sich vor uns. Es ist so lustig, dass die Bäuerin und ich laut lachen müssen. Von dem Lärm angezogen kommen auch der Bauer und seine Gehilfen aus den Ställen.

Erst jetzt erfahre ich, dass die Ziegen gar nicht vom Hof sind. Aber wo kommen sie denn wohl her? Da hören wir von weitem eine Jungenstimme, die laut "Maxi, Rosi, Weißli, Toni, Tupfi und Pünktli" ruft. Wir winken ihm aufgeregt zu und er kommt, so schnell er kann, hergerannt.

Außer Atem stellt er sich vor, er heißt Kasimir und wohnt mit seiner Familie in Wohnwagen auf der kleinen Wiese vor dem Dorf. Eigentlich sind sie das ganze Jahr mit ihrem Zirkus unterwegs, aber wegen der Corona-Pandemie können sie nicht mehr auftreten. Sie haben das ganze gesparte Geld schon fast verbraucht und konnten auch den Ziegen nur noch das Nötigste an Futter geben.

Die Bauersfamilie ist entsetzt, aber dann lächelt der Bauer geheimnisvoll! Er hat eine tolle Idee. Er springt auf seinen Traktor und fährt zum Bürgermeister und erzählt ihm von seinem Einfall. Gemeinsam fahren sie mit dem schnellen Auto des Bürgermeisters in die nächste große Stadt zu einer Druckerei. Zurück kommen sie mit einem schweren Karton mit Plakaten und Karten. Die kunterbunten Plakate hängen sie überall auf. Darauf ist zu lesen: Spektakuläre Ziegenschau mit weltbesten Kunststücken und Überraschungen exklusiv für jeweils eine Familie auf der Weide des Bauernhofs Brünnle. Beeilen Sie sich, die Karten sind schnell ausverkauft! Rufen Sie sofort an und bestellen Sie noch heute! Alle AHA-Regeln werden eingehalten. Bringen Sie gute Laune mit!

Darunter war eine lange Liste mit Terminen.
Meine Familie und ich waren natürlich die ersten Zuschauer!

Es wurde ein Riesenerfolg. Die Presse kam vorbei und somit kamen Besucher aus der ganzen Umgebung. Kasimir konnte endlich wieder seine Ziegennummer aufführen. Er hat nicht nur Eintrittsgeld bekommen, sondern auch ganz viele Spenden. Am meisten hat sich Kasimir über einen großen Salzleckstein für die jetzt endlich nicht mehr dünnen Ziegen gefreut.