Schlagabtausch der Royals

Bei den Windsors fliegen die Fetzen

Peter Nonnenmacher

Von Peter Nonnenmacher

Do, 04. März 2021 um 21:09 Uhr

Panorama

Das britische Königshaus reagiert auf die Angriffe von Prinz Harry und Ehefrau Meghan in US-Talk-Show seinerseits mit Vorwürfen.

Die Konflikte im britischen Königshaus werden mit zunehmender Schärfe öffentlich ausgetragen. Meghan Markle wirft den Royals üble Machenschaften vor. Der Buckingham Palace wiederum gräbt alte Vorwürfe von Mitarbeiterinnen der Herzogin aus, die sich über sie beschwert haben sollen. Meghan sieht keinen Grund mehr, länger zu schweigen, solange das Königshaus Unwahres verbreite über sie und Prinz Harry, ihren Mann, sagt sie. Indes wurde Prinz Philip am Herzen operiert.
Eskaliert sind die seit längerem vorhandenen Spannungen im Hause Windsor in Erwartung eines zweistündigen Fernseh-Interviews des US-Talkshow-Stars Oprah Winfrey mit Harry und Meghan, das am Sonntag in den USA und tags darauf in Großbritannien ausgestrahlt werden soll. Bekannt ist bisher, dass Prinz Harry in der bereits aufgenommenen Sendung erneut die britische Presse angegriffen hat, der er schon in der Vergangenheit mehrfach vorwarf, Meghan "ganz wie früher" seiner Mutter Diana das Leben zur Hölle gemacht zu haben. Im Grunde hätten üble Medien-Praktiken in London Meghan und ihn aus England vertrieben, soll Harry erklärt haben.

Herzogin Meghan bezichtigt das Königshaus der Lüge

Ein noch brisanterer Auszug aus der Talkshow zeigt nun aber, dass Meghan im Gespräch mit Winfrey auch die Windsors selbst und die Monarchie, die sie repräsentieren, attackiert. Buckingham Palace könne ja wohl nicht erwarten, dass sie und Harry "einfach stillhalten" würden, wenn "die Firma" – gemeint ist das Königshaus – sich "aktiv" daran beteilige, "ständig falsche Informationen über uns in die Welt zu setzen", sagte sie.  Allein mit dieser Bemerkung gab die Herzogin von Sussex zu erkennen, dass nun nicht mehr mit Zurückhaltung von ihrer Seite zu rechnen ist.

In London erwartet man nun weitere Attacken dieser Art.  In der Talkshow sollte Ex-Filmschauspielerin Meghan, die mit Winfrey gut befreundet ist und mit Harry und Söhnchen Archie im vorigen März nach Nordamerika zurückkehrte, ausführlich über ihr Leben bei Hofe und ihren Weggang aus London berichten. Harry nimmt an der Sendung offenbar nur gegen Ende teil.  

Wenig Rücksicht nimmt man inzwischen auch auf der anderen Seite. Nachdem die königstreue Londoner Times diese Woche alte Klagen über das Verhalten Meghans im Umgang mit Mitarbeitern wieder ausgrub, kündigte der Buckingham-Palast prompt eine offizielle Untersuchung dieser Vorwürfe an.  Angeblich soll Meghan in ihrer Zeit in Kensington Palace, nach ihrer Hochzeit mit Harry 2018, zwei persönliche Assistentinnen derart schikaniert und unter Druck gesetzt haben, dass sie kündigten. Ein dritter Mitarbeiter, der sich ebenfalls schlecht behandelt fühlte, soll wenig später auch abgegangen sein.  Diese Beschuldigungen gegen Meghan will man bei Hofe nun, zweieinhalb Jahre später, in aller Form unter die Lupe nehmen. Frühere und gegenwärtige Bedienstete sollen Aussagen machen über das an die Times gegebene belastende Material.  Anwälte des Herzogpaares werfen der Zeitung vor, sie habe sich vom Königshaus "benutzen lassen" zur Weitergabe "völlig falscher Darstellungen".

Britische Kommentatoren staunen über die Feindseligkeit

Ein Sprecher des Paares fügte hinzu: "Nennen wir die Sache doch beim Namen – dies ist eine kalkulierte Schmierkampagne, die auf irreführenden und schädlichen Falschinformationen beruht." Offenkundig bezwecke diese Initiative, rasch noch Meghans Ruf zu schädigen, "bevor sie und der Herzog offen und ehrlich über ihre Erfahrungen der letzten Jahre sprechen".

Meghan ließ versichern, sie sei "tiefbetrübt von dieser jüngsten üblen Nachrede", zumal sie selbst zum Opfer von Druck und Schikane geworden sei.

Britische Kommentatoren zeigten sich verblüfft von dem neuerdings unversöhnlichen Ton auf beiden Seiten. "Ich kann mich an keinen Zeitpunkt erinnern, an dem wir je eine so offene Feindseligkeit gesehen hätten", meinte Victoria Murphy, eine langjährige Londoner Hofberichterstatterin.  

Unterdessen wurde aus dem Buckingham-Palast berichtet, die Royals hätten "an wahrhaft Wichtigeres" zu denken als an eine Talkshow mit Harry und Meghan. Prinz Philip, der 99-jährige Gemahl der Königin, wurde am Donnerstag am Herzen operiert, nachdem er sich bereits 16 Tage lang in Krankenhaus-Behandlung befand.  Er wurde zuletzt in die Londoner St.-Barts-Klinik verlegt, die auf Herzprobleme spezialisiert ist. Die Operation sei erfolgreich verlaufen, hieß es. Philip werde aber noch "einige Tage" zur Beobachtung in der Klinik sein.