Bei Kindern sieht es ganz einfach aus

Dagmar Barber

Von Dagmar Barber

Mo, 26. August 2019

Freiamt

WIE WAR’S BEI... der BZ-Ferienaktion beim Racing-Team Freiamt? Von ganz ruhig bis rasend schnell war alles geboten.

FREIAMT. Mit spielerischen Mitteln haben 19 Teilnehmer die Gelegenheit ergriffen, auf dem Fahrrad den Parcours bei der Ferienaktion des Racing-Teams Freiamt zu bewältigen. Auf dem Programm stand zudem ein Kart-Schnuppertraining und erstmals ein virtuelles Rennen im Simulator – Kontrastprogramm pur.

Die Angebote
Während die jungen Radler ganz ruhig und konzentriert ihre Aufgaben lösen, die sie für weitere Turniere qualifizieren, sind die beiden Rennsimulatoren ein Publikumsmagnet und ständig umlagert von Kindern, die die Technik erstaunlich gut beherrschen. Ein Neunjähriger sitzt völlig entspannt tief im Sitz und steuert seinen Boliden, einen Maserati GT 4, wie ein erfahrener Rennfahrer, bei ihm sieht das ganz einfach aus, wie ein Tanz.

Dabei ist das, was sich vor den Augen aufbaut, nicht mehr als eine bunte Kunstwelt. Animiert von einem leistungsstarken Computer und von drei Projektoren auf drei Bildschirme geworfen. Der Motorenlärm kommt von einer Sounddatei. Diese Geräte wurden eigens für Rennprofis zum Trainieren entwickelt.

Das Karttraining
Währenddessen dürfen Kinder auf dem Parcours Kart fahren. Treten, lenken und gleichzeitig auf die vielen aufgestellten Pylonen (im Volksmund Poller) achten, fällt den meisten der Grundschüler auch beim ersten Mal nicht schwer. Jugendreferent Michael Zick und Trainer Kai Stückle haben die 6,5-PS-Benziner gedrosselt, denn heute ist Schnuppertraining. Normalerweise fahren diese etwa 4000 Euro teuren Karts 50 bis 60 Stundenkilometer, aber heute geht es ganz entspannt zu. Zwölf Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren trainieren regelmäßig im Club.

Der neunjährige Nils Röttele ist zum zweiten Mal Südbadischer Meister in seiner Klasse II. Als der seine Runden mit voller Power und Präzision fährt, staunen die Neulinge unter den Zuschauern. Michael Zick erklärt, dass normalerweise 300 Pylonen aufgestellt und im Wettkampf immer wieder umgestellt werden. "Eine Pylone umgestoßen bedeutet Strafsekunden." Im Club wird zweimal pro Woche trainiert, jeder kann zum Probetraining kommen, erklärt Zick. "Die Frauenquote steigt” ergänzt Daniela Bühler, die stellvertretende Vorsitzende. "Wir haben inzwischen fünf Mädchen.”

Der Selbstversuch
Vorsitzender Alfred Haas überredet mich zu einer Probefahrt im Rennsimulator. Angeschnallt und mit Kopfhörer sitze ich im Fahrsimulator von Nürburgring eSports, vor mir drei Monitore mit Full Motion. Doch noch bewegt sich gar nichts, allein der Start mit so einem 750-PS-Boliden wird zur Herausforderung. Das Lenkrad erinnert an ein zu klein geratenes Mischpult mit fast zwei Dutzend Knöpfen, Reglern und Schaltern. Mein Puls rast, denn es fühlt sich durch Geräusch, Vibration und Druck im Gurt an, als würde ich im richtigen Formel-1-Boliden die Nürburgring Grand Prix Rennstrecke befahren. Ein kleiner Fehler, und ungebremst fliegt der Bolide über die Kerbs (Randsteine), hebt ab, wirbelt über die Wiese und schlägt in der Leitplanke ein. Die Hydraulik im Simulator wirbelt das Cockpit durcheinander, mein Kopf fliegt nach vorn, der Gurt presst auf die Schultern.

Mir genügen drei Unbekannte für ein mittleres Durcheinander. Zwei Wippen für den Gangwechsel – rechts: hoch, links: runter; darunter die Kupplung. Das ist harte Arbeit. Die Kupplung greift, der Bolide beschleunigt. Erster Gang, zweiter , dritter, vierter: Der Motor brüllt noch lauter in den Ohren, auf der Leinwand rauschen die Zuschauer vorbei. Dann: Vollbremsung bei Tempo 200. Das löst Chaos in meinem Gehirn aus, obwohl Alfred Haas und Mathias Dumbeck von Nürburgring eSports genaue Anweisungen geben. Das Lenkrad vibriert, es rumpelt, das Heck bricht aus. Aber es geht weiter.

Der Maserati GT 4 knattert, mit jedem Stoß auf das Gaspedal wird er lauter. Ich schaue über das Lenkrad, sehe die breiten Vorderreifen, das dunkelgraue Asphaltband des Nürburgrings, die bunten Tribünen, die rot-weißen Randsteine und Kiesbetten. Ich wäre bei Tempo 200 wohl voll in die Zuschauertribüne gerast. Von mir wäre vermutlich nicht mehr viel übrig geblieben!