Kapfenberg und Kapellen

Bei St. Peter gibt es Aussichten wie aus dem Schwarzwaldbilderbuch

Anita Fertl

Von Anita Fertl

So, 11. Oktober 2020 um 07:00 Uhr

St. Peter

Der Sonntag Eine Rundtour in St. Peter ist ohne große Anstrengung zu machen. Dennoch ist der Ausflug abwechslungsreich.

Eben, also ohne Steigung möchten es die beiden Jungs heute haben, wollen trotzdem hoch hinaus, mit viel Wald aber dennoch Wiesen und einer guten Aussicht – das Leben ist kein Wunschkonzert? Manchmal doch. Denn das alles gibt es auf der St. Peter-Platte bei einem abwechslungsreichen Spaziergang. Stille umfängt uns am Startpunkt der Tour, dem Parkplatz Potsdamer Platz. Dort geht es, ganz anders als der Name suggeriert, so gar nicht großstädtisch zu. Und sobald wir aus dem Wald treten, gibt es stattdessen weitgeschwungene Wiesen, besprenkelt mit Löwenzahnsommersprossen und eingerahmt vom Tannensaum, auf dem Windräder stecken und sich munter drehen.

Der blauen Raute nach

Beim Gschwinghof treffen wir auf die blaue Raute, folgen ihr auf einen Wiesenweg, der sanft wellig in einen Wald hineinführt. Prima finden das die Jungs und Hund Jack, denn wo ein Wald ist, sind Wurfstöckchen nicht weit. Kurzweilig ist dadurch der Weg und gefühlte zehn "Hol Jack!"-Befehle später ist das hübsche rote Bildstöckchen passiert und nach gut 20 weiteren "Hol’s-Jack" stehen wir beim Milchhislibrunnen. "Was ist denn das?", fragt einer der Jungs, neugierig werfen wir einen Blick hinein, öffnen den hausähnlichen, hölzernen Aufsatz, der auf dem Brunnen hockt. Nichts drin, außer ein paar leeren Regalen. Doch kühl ist’s und so ist es kein Wunder, das dort durch das beständig darunter zirkulierende Wasser auch Milchflaschen im Sommer kühl bleiben dürften – ein cleverer historischer Kühlschrank sozusagen.
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Hochmoor und Wald

Weiter geht es durch ein idyllisches, von einem kleinen Bach durchzogenes Hochmoor, ehe der Weg zur Waldhohlgasse wird, flankiert von mächtigen Tannenriesen. Und noch mehr stumme Geschichtenerzähler stehen am Wegrand, dieses Mal aus Stein, schwer zu entziffern: "Dato den 22. Weinmonat 1806 ist durch ein unglückliche Tat um das Leben gekommen Joseph Heitz". Wir staunen und rätseln, ob Blitz, Mord oder ein wildes Tier im Spiel waren; das gibt Denkstoff den Rest des Waldwegs und wird sich erst später, zu Hause, dank eines Zeitungsartikels klären: Der Unglückselige war ein Salzhändler, der unterwegs in ein Unwetter geriet – so heftig war der Sturm, dass er am Wagen rüttelte und ihn umwarf. Der Händler, begraben unter einem Sack Salz, konnte nur noch tot geborgen werden.

Kein Sturm ist heute in Sicht, stattdessen Sonne satt und als wir beim roten Kreuz wieder aus dem Wald treten, tut sich ein grandioser Blick auf: Hinter einem weiten Wiesenteppich der Feldberg in der Ferne, eingerahmt von sattblaugrüner Schwarzwaldlandschaft.

Ein kurzer Abstecher führt uns zur Kapfenbergkapelle, die einen weiteren schönen Blick spendiert und ein Wunder präsentiert. Denn Josef Hummel hat das Minigotteshaus erbaut, so steht’s auf der Tafel, und damit ein Versprechen seines Vaters eingelöst, der wieder ohne Stock und Krücke gehen konnte.

Vogesenkapelle

Noch mehr Wunderbares gibt es am Höhenweg entlang zuerst an weiteren Schwarzwaldausblicken zu sehen und kurz darauf an der Vogesenkapelle zu lesen. Auch diese kleine, holzschindelbedeckte Kapelle wurde nach einem an Gott gerichteten Versprechen gebaut. Dieses Mal gab es der Alt-Reinerbauer, der im Elsass drüben während des Ersten Weltkriegs einen Blick auf seine Heimat am Kapfenberg erhaschen konnte. Daraufhin gelobte er, eine Kapelle zu bauen, sollten der Schwarzwald und seine Menschen von Krieg und Verwüstung verschont bleiben.

Die Sonne schickt schon ihre Abendstrahlen, spät ist es geworden, als sich die Runde wieder schließt. Angenehm geschafft sind wir und gleichzeitig entspannt vom Stöckchenwerfen, Spielen und Verschnaufen, von den ganzen Ausblicken und vielen Geschichten um Tod – aber vor allem rund um das Leben.
Infos: Die gut 7 Kilometer und 120 Höhenmeter starke Runde kann per Komoot-App (dazu ist eine kostenlose Anmeldung nötig) aufgerufen und nachgelaufen werden: http://mehr.bz/sape