Urlaub und Freizeit

Beim Glamping wird Camping ins Luxussegment befördert

Larissa Loges

Von Larissa Loges (dpa)

Fr, 18. September 2020 um 22:38 Uhr

Reise

Luftmatratze, Schlafsack, Dosenravioli. Für viele Menschen ist das nichts. Wer sich trotzdem in der Natur erholen will, ohne auf Annehmlichkeiten zu verzichten, findet beim Glamping eine Alternative.

Camping bietet Erholung in der Natur ohne weite Anreise. Eigentlich ideal für die Corona-Zeit, die wohl auch noch in der Saison 2021 anhalten wird. Doch normales Camping ist nicht jedermanns Sache: Luftmatratze, Schlafsack, Dosenravioli und prekäre Hygienebedingungen – wenig charmant, so das Vorurteil. Dass es auch anders geht, zeigt sich beim Glamping, dem Luxus-Camping.

Ein schöner Blick auf den Fluss, eine Feuerstelle, Relaxgarten, Terrasse und – ein richtiges Bett statt einer einfachen Isomatte. Dieser Komfort erwartet Urlauber im Heritage & Nature Glam Camp in Traben-Trabach an der Mosel. In den Riesenzelten gibt es zudem fließendes Wasser, Nachtschränkchen und eine Küche mit Kaffeemaschine.

Angesagte Urlaubsart

Was hier geboten wird, nennt sich Glamping, eine Kombination aus den Worten Glamour und Camping. Diese Urlaubsart ist nicht wirklich neu – aber gerade wieder angesagt bei Menschen, die nicht in weite Ferne reisen können und keine Lust auf Luftmatratze haben.

Betreiber des Mosel-Camps ist Julian Stolte. Er hat rund 1000 Arbeitsstunden investiert, erzählt er, um seine Safarizelte mit 35 Quadratmetern Fläche aufzustellen und einzurichten – inklusive direkt angrenzendem Badezimmer mit modernem WC. "Ich bin ein Frickler, ein Erfinder und Gestalter", sagt der 45-Jährige über sich selbst. Mindestens 80 bis 90 Prozent recycelte Materialien habe er genutzt für sein Camp. Stolte möchte einen möglichst kleinen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Hinter dem Korbstuhl, auf dem der gelernte Tischler sitzt, kreuzen Moselschiffe; Burg und Uferlinie von Traben-Trarbach ergänzen das Postkartenidyll. Selbst aus dem Bett heraus fällt der Blick auf das gegenüberliegende Ufer. Glühwürmchen, Lavendelduft. Ein Käuzchen ruft zur Nacht – fühlt sich immerhin doch ein wenig nach Wildnis an.

Retro-Badewanne und Efeu-Tapete – Glamping bietet Komfort

Der Morgen riecht entsprechend moosig, gräsern. Die Retro-Badewanne mit echter Efeu-Tapete lockt, doch es geht gleich zum Frühstück. Dort sitzt Gastgeberin Carol Schneider de Altamirano. Es sei ein wertvolles Gefühl, wenn der Körper mit der Natur in Kontakt sei, sagt die Designerin und Yogalehrerin. "Ich mag aber auch Bequemlichkeit."

Céline Bossanne ist Glamperin der ersten Stunde. Bereits 1999 gründete sie mit ihrem Ehemann in Frankreich das Camping-Dorf Huttopia. "Wir wollten das Image des Campens transformieren, Aufenthalte in der Natur anbieten, an wunderschönen Orten – aber mit Komfort", erzählt sie. 20 Jahre später ist Huttopia mit Zelten, Hütten und Häuschen an 60 Standorten weltweit präsent.

Bossane erklärt, welches Bedürfnis hinter dem Glamping steckt: "Wir alle haben realen Bedarf an Natur. Wir sind zunehmend städtisch und brauchen besondere, naturnahe und schlichte Erlebnisse, wollen aber unseren Komfort dabei nicht missen." Glamping sei für sie eine Chance loszulassen, den Alltag zu vergessen. Die Gäste beschreibt die Französin als Menschen, "die zurück zur Natur wollen, mit einer bestimmten Einfachheit des Lebens, ohne eben auf Annehmlichkeiten zu verzichten". Wer kommt, wolle frische Luft atmen, Freiraum genießen. "Vieles, was wir aufgrund der Gesundheitskrise besonders vermisst haben."

Outdoor hat für viele Menschen Priorität

Auch Julian Stolte und Carol Schneider de Altamirano berichten für ihr Mosel-Camp von mehr Buchungen in diesem Sommer. In der Natur zu sein, hat wegen der Corona-Pandemie Hochsaison. Über Portale wie whttp://www.glampings.de oder http://www.glamping.info können Urlauber Unterkünfte in ganz Europa buchen – auch für Herbst und die Saison 2021.

"Die Wurzeln liegen zu Beginn des 20. Jahrhunderts, bei europäischen und amerikanischen Safaris in Afrika", erklärt Sven Schuurmans, Eigentümer des Portals Glampings. Die wohlsituierten Reisenden seien Komfort und Luxus gewöhnt gewesen und hätten ihren Lebensstil beim Camping nicht einfach aufgeben wollen. Später dann hätten die Niederländer und Engländer das Glamping für sich entdeckt.

Was es teils schon vorher gab, bekam einen Namen. "Das erste Mal, dass ich das Wort Glamping gesehen habe, war vor rund zehn Jahren in Publikationen aus England und den USA", erinnert sich Vorreiterin Bossanne. Häufig werde Glamping assoziiert mit extrem luxuriösen Angeboten auf Fünf-Sterne-Niveau. Das ist aber längst nicht immer so.

Glamping erinnert an istorische Vorbilder

"Anbieter legen die Bedeutung verschieden aus", sagt Schuurmans. "Ein Safarizelt mit Badewanne und Panoramasicht oder eine Reihe voller Campingwagen mit Veranda – das ist gegenwärtig alles Glamping." Reisende sollten also genau hinschauen, was sie buchen. In einem Aspekt seien sich jedoch alle Anbieter einig, so Schuurmans: "Die Unterkunft steht bei Ankunft vollständig bereit." Sie ist also komplett ausgestattet. Unterschiede gebe es dann beim Grad des Luxus und beim Camping-Erlebnis selbst.

Das Glamping-Konzept erinnert ein wenig an historische Vorbilder: Königszelte, Beduinenzelte, Römerzelte. Julian Stolte formuliert es so: "Pionier-Style auf gehobenem Niveau."
Weitere Infos zum Glamping

Mosel: http://mehr.bz/mogla
Huttopia: http://mehr.bz/hutt
Schwarzwald: http://www.schwarzwaldcamp.de www.wiesenbett.de
Allgemeine Portale: https://glampings.de/
https://glamping.info/