Programmieren lernen von Anfang an

Anja Bochtler

Von Anja Bochtler

Mo, 17. Februar 2020

Freiburg

Das "Coder Dojo" bringt schon Kindern im Grundschulalter die Sprache der Computer bei.

FREIBURG. Wie kommen der hechelnde Hund und der Katzenkopf auf dem Computerbildschirm ins Gespräch? Für Julian (7) ist das kein Problem. Er war eines von elf Kindern beim zweiten "Coder Dojo" (übersetzt: Trainingsraum für Programmierer) in der Software-Agentur "Sourceconomy". Deren Inhaber Till Hahndorf will die kostenlosen Workshops, die Freiwillige weltweit für Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 17 Jahren anbieten, in Freiburg etablieren.

Bis Tibor (7) loslegen kann, dauert es. Erst muss jemand seine Eltern anrufen und nach dem Password ihres Laptops fragen, der vor ihm liegt. Für Julian ist das einfacher: Seine Mutter Tina Engelhard ist eine von vier Mentorinnen und Mentoren, die zusammen mit Till Hahndorf ehrenamtlich im Einsatz sind. Die meiste Zeit halten sie sich im Hintergrund, gehen herum und schauen den Kindern über die Schulter. Sieben der jungen Programmierer waren schon beim ersten Coder Dojo vor einem Monat dabei, vier sind neu. Einsteigen ist jederzeit möglich.

Alle sind sehr konzentriert. Julian klickt sich durch die kleinen Aufgaben, die zur Wahl stehen. Er wählt die "Tanzparty" mit dem Hinweis "Für Fortgeschrittene". Julian liebt Technik: "Deshalb ist es für mich leichter, mit Technik zu arbeiten", sagt er. Er darf daheim aber nur für begrenzte Zeiten an den Computer, erzählt seine Mutter: samstags und sonntags jeweils für eine halbe Stunde. Doch wenn er dabei nicht nur an Computerspielen hängenbleibt, kann sich diese Zeit erweitern. Zum Beispiel, wenn sie mit ihm gemeinsam überlegt, wie so ein Spiel eigentlich funktioniert. Tina Engelhard ist Veranstaltungsmanagerin, keine IT-Expertin: "Aber ich bin IT-affin."

In mehreren Schritten bringt Julian bei der "Tanzparty" den Hund dazu, die Katze zu begrüßen und sie zu fragen, wie es ihr geht. Auf dem Bildschirm erscheinen Sprechblasen. Später bewegen sich die beiden. Julian kopiert die passenden Programmierbefehle, tippt kurze Texte, überlegt. Die Kinder sollen selber nachdenken, Antworten auf ihre Fragen bei Suchmaschinen finden oder ihre Nachbarn fragen, wünscht sich Till Hahndorf. Nur wer dann nicht weiterkommt, soll sich an die Erwachsenen wenden.

Greta und Mila (beide 10) haben ein größeres Problem: Sie wollen einen kleinen Chip programmieren, doch die Anweisungen sind auf Englisch, davon verstehen sie noch nicht genug. Sie gehen zu einer Mentorin, die ihnen alles übersetzt. Eine andere Möglichkeit wäre es gewesen, im Internet zu suchen, sagt Till Hahndorf: Da fänden sich auch passende Anweisungen auf Deutsch. Greta ist eine seiner zwei Töchter, beide gehören zu den vier Mädchen beim Coder Dojo. Langfristig wünscht er sich, dass ebenso viele Mädchen wie Jungs mitmachen. Und es soll nicht so bleiben, dass wie bisher nur Kinder aus bildungsnahen Familien kommen, bei denen Laptops zur Grundausstattung gehören. Wenn sich nach einigen Monaten alles etabliert hat, möchte Till Hahndorf mit zwei oder drei der Kinder, die sich dann als Juniormentoren ausprobieren können, an Orte und in Stadtteile gehen, wo Jungs und Mädchen weniger Chancen haben, mit der IT-Welt vertraut zu werden. Vielleicht finden sich bis dahin genügend Laptop-Sponsoren, hofft Till Hahndorf. Der nächste Schritt könnte danach die Verankerung in der Nachmittagsbetreuung der Freiburger Schulen sein, dann aber mit festen Stellen und geänderten Strukturen. Nötig fände er solche Neuerungen auf jeden Fall: "In der IT fehlen Fachkräfte."

Coder Dojo: Der nächste Workshop findet vermutlich am Freitag, 13. März, statt. Infos: Till Hahndorf: hallo@coderdojo-freiburg.de.